Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege

Gemeinsame Fuß- und Radwege sind außerhalb geschlossener Ortschaften nach wie vor sehr beliebt. Innerhalb geschlossener Ortschaften werden sie allerdings immer häufiger aufgehoben oder in Gehwege umgewandelt, die für Radfahrer freigegeben werden. Neu gebaute gemeinsame Fuß- und Radwege sind meist viel breiter, als ihre älteren Zeitgenossen.

Dabei spielt die Mindestbreite eines gemeinsamen Fuß- und Radweges eine entscheidende Rolle. Neben der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO), machen auch die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) Vorgaben zur Mindestbreite eines gemeinsamen Fuß- und Radweges.

Bei einem bestehenden Weg beträgt die Mindestbreite zur Einrichtung eines innerörtlichen gemeinsamen Fuß- und Radweges inklusive Sicherheitsräume 2,50 m; außerorts 2,00 m. Für den Neubau eines gemeinsamen Fuß- und Radweges innerhalb geschlossener Ortschaften ist eine Mindestbreite inklusive Sicherheitsräume zwischen 2,70 m und 5,85 m erforderlich. Außerhalb geschlossener Ortschaften ist beim Neubau eines gemeinsamen Fuß- und Radweges eine Mindestbreite zwischen 4,25 m und 6,25 m vorzusehen – darunter ein Sicherheitstrennstreifen von 1,75 m.

Die Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege hängt von drei wesentlichen Faktoren ab:

  • Auf welcher Seite befindet sich der gemeinsame Fuß- und Radweg?
  • Soll ein bestehender Gehweg als gemeinsamer Fuß- und Radweg beschildert, oder ein gemeinsamer Fuß- und Radweg neu gebaut werden?
  • Befindet sich der gemeinsame Fuß- und Radweg innerorts oder außerorts?

Dieser Artikel zeigt dir anhand verschiedener Beispiele, wie breit ein gemeinsamer Fuß- und Radweg im Einzelfall mindestens sein muss. Neben der Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege habe ich auch die Regelbreiten für dich vorbereitet.

Lass uns gleich loslegen!

Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege in Fahrtrichtung rechts

Benutzungspflicht innerorts

Die Breite eines gemeinsamen Fuß- und Radweges setzt sich aus dem Verkehrsraum für Fußgänger und Radfahrer sowie den Sicherheitsräumen zusammen (VwV-StVO zu § 2 Absatz 4 Satz 2).

Ein Verkehrsraum beschreibt den Platz den ein Fußgänger oder Radfahrer benötigt.

Eine Benutzungspflicht kann man nur dann festlegen, wenn für Fußgänger auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg auch weiterhin ausreichend Fläche vorhanden ist (VwV-StVO zu § 2 Absatz 4 Satz 2).

Leider steht in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO) nirgendwo geschrieben, ab wie viel Metern eine Fläche noch als ausreichend für Fußgänger gilt. Deshalb müssen wir mal wieder in die Trickkiste greifen.

In den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) ist festgelegt, wie viel Platz ein Fußgänger benötigt. Auf dem unteren Bild siehst du, dass bei einem Mindestmaß von 1,80 m zwei Fußgänger problemlos aneinander vorbeilaufen können (Kapitel 4.7 RASt).

Verkehrsraum Fußgänger

Wenn also ein Fußgänger von 0,90 m Breite noch passieren kann, dann ist ausreichend Fläche für Fußgänger vorhanden.

Nach der VwV-StVO beträgt die Mindestbreite für einen gemeinsamen Fuß- und Radweg 2,50 m innerorts (VwV-StVO zu § 2 Absatz 4 Satz 2).

Mindestbreite rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege zur Einrichtung einer Benutzungspflicht innerorts

Mich hat an der Stelle interessiert, was denn nun ein Sicherheitsraum ist und wie breit er bei gemeinsamen Fuß- und Radwegen sein muss.

Wichtig hierbei zunächst: Sicherheitsräume müssen nicht befestigt sein. Sicherheitsräume müssen aber frei von Hindernissen sein (VwV-StVO zu Absatz 4 Satz 2). Sie müssen deswegen frei von Hindernissen sein, damit sie im Falle eines Falles von Fahrradfahrern überrollt werden können.

Üblicherweise geht man von einem Sicherheitsraum zu Gebäuden von 0,25 m aus. Zur Fahrbahn muss der Sicherheitsraum hingegen 0,50 m betragen.

Bei innerörtlichen gemeinsamen Fuß- und Radwegen muss der befestigte Teil daher lediglich 1,75 m breit sein, wenn die Sicherheitsräume frei von Hindernissen sind.

Mindestbreite rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege zur Einrichtung einer Benutzungspflicht innerorts entlang der Fahrbahn

Benutzungspflicht außerorts

Außerorts muss der gemeinsame Fuß- und Radweg nach der VwV-StVO mindestens 2,00 m breit sein.

Mindestbreite rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege zur Einrichtung einer Benutzungspflicht außerorts

Da es außerorts in der Regel eher weniger Gebäude gibt, setzen wir hier einmal nur den Abstand zur Fahrbahn an. Dieser beträgt ebenfalls 0,50 m. Es ergibt sich eine Mindestbreite für die befestigte Verkehrsfläche von 1,50 m.

Mindestbreite rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege zur Einrichtung einer Benutzungspflicht außerorts entlang der Fahrbahn

Das betrifft aber innerorts wie außerorts nur die gemeinsamen Fuß- und Radwege in Fahrtrichtung rechts.

Die in der VwV-StVO angegebenen Breiten stellen die absoluten Mindestmaße für die Einrichtung eines gemeinsamen Fuß- und Radweges dar, wenn es für Radfahrer zu gefährlich ist die Fahrbahn zu benutzen.

Dagegen gilt jedoch auch: Selbst wenn die Mindestbreite aus der VwV-StVO nicht erfüllt ist, kann Zeichen 240 aufgestellt werden. Wenn das Fahrradfahren auf der Fahrbahn zu gefährlich ist, kann die Mindestbreite aus der VwV-StVO auch unterschritten werden (BVerwG, Urt. v. 16.04.2012 – 3 B 62/11).

Neben der VwV-StVO gibt es auch noch die RASt und die ERA als weitere Regelwerke zur Mindestbreite von gemeinsamen Fuß- und Radwegen.

Wie passen jetzt aber die Mindestbreiten der VwV-StVO zu den Breiten der RASt und der ERA?

Die RASt und die ERA stellen den aktuellen Erkenntnisstand dar.

Werden gemeinsame Fuß- und Radwege neu geplant, sind folglich die Richtmaße der ERA anzuwenden.

Neubau innerorts

Ein Fahrradfahrer benötigt eine Mindestbreite von 1,00 m. Radfahrer mit Anhängern benötigen 1,30 m (Kapitel 2.2.1 ERA; Kapitel 4.6 RASt).

Verkehrsraum Radfahrer
Verkehrsraum Radfahrer mit Anhänger

Stell dir einmal vor, du begegnest als Fahrradfahrer mit einem Anhänger einem Fußgänger auf einem gemeinsamen Fuß- und Radweg innerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Du brauchst als Fahrradfahrer mit einem Anhänger mindestens 1,30 m, der Fußgänger braucht 0,90 m Platz.

Somit ergibt sich eine Mindestbreite für den befestigten Teil des gemeinsamen Fuß- und Radweg von 2,20 m.

Verkehrsraum Fußgänger und Radfahrer mit Anhänger

Es genügt aber nicht alleine an Fußgänger zu denken. Man muss auch an mobilitätsbehinderte Menschen denken (Kapitel 4.7 RASt). Wir gehen wieder von einer Mindestbreite von 1,30 m für Radfahrer mit Anhängern aus:

Wie man an der obigen Tabelle sehen kann, benötigt eine Person mit Rollstuhl sogar 1,10 m Platz. Zusammen mit einem Radfahrer mit einem Anhänger müsste hier eine Mindestbreite von 2,40 m für den gemeinsamen Fuß- und Radweg befestigt werden.

Eine Person mit Kinderwagen füllt eine Breite von 1,00 m aus. Die befestigte Fläche des gemeinsamen Fuß- und Radweges wäre hier mindestens 2,30 m breit.

Im Regelfall soll es aber auch möglich sein, dass man auf einem gemeinsamen Fuß- und Radweg einen vorausfahrenden Radfahrer überholen kann. Damit das gelingen kann, müssen zwei Fahrräder nebeneinander fahren können. Ein Fahrradfahrer benötigt 1,00 m, ein Fahrradfahrer mit Anhänger 1,30 m, Platz.

Fahren Radfahrer nebeneinander oder begegnen sich, ist zwischen ihnen kein Sicherheitsraum erforderlich (Kapitel 2.2.1 ERA).

Bei einem gemeinsamen Fuß- und Radweg in Fahrtrichtung rechts ergibt sich somit eine Mindestbreite von 2,30 m, wenn das Überholen von einem Fahrradfahrer mit Anhänger mit einem Fahrrad ermöglicht werden soll.

Verkehrsraum Radfahrer und Radfahrer mit Anhänger

Gehen wir davon aus, dass das Überholen von Radfahrern untereinander ermöglicht werden soll. Jetzt fehlen aber noch die Sicherheitsräume.

Die Breite der Sicherheitsräume ist nicht immer gleich, sondern davon abhängig, ob wir von einem gemeinsamen Fuß- und Radweg innerorts oder außerorts sprechen. Ferner ist entscheidend, was sich in der Nähe des gemeinsamen Fuß- und Radwege befindet.

Innerhalb geschlossener Ortschaften geht man zunächst von einem Sicherheitsraum links und rechts des gemeinsamen Fuß- und Radweges von jeweils 0,25 m aus. Bei einer Kombination von Radfahrern und Radfahrern mit Anhängern kommt man so auf eine Breite von 2,80 m.

Breite Neubau rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege innerorts entlang von Einfriedungen Überholen mit einem Fahrrad

Die Sicherheitsräume müssen aber nicht baulich ausgeprägt sein. Sie müssen auch nicht durch Markierung kenntlich gemacht werden.

Die obige Darstellung geht von Gebäuden links und rechts des gemeinsamen Fuß- und Radweges aus. In der Realität ist das aber sehr selten der Fall.

Viel öfter wirst du beobachten, dass sich links des rechten gemeinsamen Fuß- und Radweg die Fahrbahn und rechts ein Gebäude befindet. Zur Fahrbahn hin ist ein Sicherheitsraum von 0,50 m erforderlich. Der Raum zwischen Gebäude und gemeinsamen Fuß- und Radweg darf auch weiterhin nicht weniger als 0,25 m breit sein (Kapitel 2.2.1 ERA).

Folglich kommt man auf eine Breite von 3,05 m für einen gemeinsamen Fuß- und Radweg.

Breite Neubau rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege innerorts entlang der Fahrbahn Überholen mit einem Fahrrad

Ist das Parken längs der Fahrbahn entlang des gemeinsam Fuß- und Radweges erlaubt, so beträgt der Sicherheitstrennstreifen zwischen gemeinsamen Fuß- und Radweg und Längsparkstand 0,75 m (Kapitel 2.2.1 ERA).

Durch Sicherheitstrennstreifen werden die Verkehrsflächen baulich oder durch Markierung voneinander getrennt (Kapitel 2.2.1 ERA).

Gehen wir auch weiterhin von einem Gebäude rechts des gemeinsamen Fuß- und Radweges aus, kommen wir zusammen mit einem rechten Sicherheitsraum von 0,25 m auf eine Breite des gemeinsamen Fuß- und Radweges von 3,30 m.

Breite Neubau rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege innerorts entlang von Längsparkständen Überholen mit einem Fahrrad

Bei Senkrecht- oder Schrägparkständen ist ein Sicherheitstrennstreifen erforderlich. Dieser beträgt 1,10 m. Der Überhangstreifen von 0,70 m Breite kann auf den Sicherheitstrennstreifen angerechnet werden. Der Sicherheitstrennstreifen bei Senkrecht- oder Schrägparkständen muss also trotzdem nur 1,10 m breit sein (Kapitel 2.2.1 ERA; Kapitel 6.1.5 RASt).

Sicherheitstrennstreifen bei Senkrecht- und Schrägparkständen sind erforderlich, da das Heck eines Autos normalerweise über die Bordsteinkante ragt (Kapitel 6.1.5 RASt).

Bleiben wir bei einem Gebäude rechts des gemeinsamen Fuß- und Radweges, ergibt sich eine Gesamtbreite des gemeinsamen Fuß- und Radweges von 3,65 m.

Breite Neubau rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege innerorts entlang von Senkrechtparkständen Überholen mit einem Fahrrad

Darüber hinaus ist die Breite von gemeinsamen Fuß- und Radwegen innerorts von der Fußgänger- und Radverkehrsstärke abhängig (Kapitel 2.2.1 ERA).

Bei welcher Menge an Fußgängern ein gemeinsamer Fuß- und Radweg zum Einsatz kommen kann, lässt sich am besten anhand des unteren Bildes zeigen (Kapitel 3.6 ERA).

Einsatzgrenzen gemeinsamer Fuß- und Radwege

Ein Beispiel: Wir planen einen gemeinsamen Fuß- und Radweg mit 2,50 m Breite. Auf der Straße fahren bereits jetzt in der Spitzenstunde 100 Radfahrer. Auf dem Gehweg wurden in der gleichen Stunde 50 Fußgänger gemessen. Alleine von der Menge an Radfahrern auf der Straße, kann man sagen, dass ein gemeinsamer Fuß- und Radweg mit 2,50 m nicht zugelassen werden könnte.

Selbst wenn die baulichen Voraussetzungen passen, kann es also aufgrund der Einsatzgrenzen von Zeichen 240 notwendig sein eine größere Wegbreite vorzusehen.

Neubau außerorts

Außerhalb geschlossener Ortschaften muss man parkende Fahrzeuge in der Regel nicht berücksichtigen.

Ebensowenig ist es notwendig, Fußgänger in die Bemessung der Mindestbreite eines gemeinsamen Fuß- und Radweges miteinzubeziehen.

Das liegt aber daran, dass allein schon von den Vorgaben der ERA, beim Neubau ein Sicherheitstrennstreifen zwischen Fahrbahn und befestigter Verkehrsfläche vorzusehen ist.

Der Sicherheitstrennstreifen ist baulich auszuführen.

Gemeinsamer Fuß- und Radweg außerorts Sicherheitstrennstreifen

Alternativ kann auch eine Markierung den gemeinsamen Fuß- und Radweg von der Fahrbahn trennen.

Außerörtliche Fuß- und Radwege verbinden Städte oder Dörfer. Ob mobilitätsbehinderte Menschen auf dem gemeinsamen außerörtlichen Fuß- und Radweg vorzusehen sind, erscheint fraglich.

Außerorts ist ein Regelmaß von 2,50 m für den gemeinsamen Fuß- und Radweg und ein Sicherheitstrennstreifen zur Fahrbahn von 1,75 m Breite vorzusehen (Kapitel 2.2.1 ERA).

Regelbreite Neubau rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege außerorts entlang der Fahrbahn

Möchte man aber das Überholen von Fahrrädern mit Anhängern untereinander ermöglichen, ist eine Wegbreite von 2,60 m notwendig.

Breite Neubau rechter gemeinsamer Fuß- und Radwege außerorts entlang der Fahrbahn Überholen mit Anhängern

Darüber hinaus sind auch außerorts die Einsatzgrenzen für Zeichen 240 zu berücksichtigen (Kapitel 3.6 ERA). Bei 100 Radfahrern in der Spitzenstunde ist zum Beispiel eine Wegbreite von 3,00 m erforderlich.

Je mehr Radfahrer in der Spitzenstunde unterwegs sein werden, desto breiter muss der gemeinsame Fuß- und Radweg sein.

Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege in Gegenrichtung

Benutzungspflicht

Linke gemeinsame Fuß- und Radwege sollen innerorts nicht angeordnet werden (VwV-StVO zu Absatz 4 Satz 3 und 4).

Die Freigabe linker Radwege mit Zeichen 240, das heißt eine Benutzungspflicht in Gegenrichtung, ist daher nur außerhalb geschlossener Ortschaften möglich.

Die Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege außerorts beträgt 2,00 m (VwV-StVO zu Absatz 4 Satz 3 und 4).

Mindestbreite linker gemeinsamer Fuß- und Radwege zur Einrichtung einer Benutzungspflicht außerorts

Für außerörtliche gemeinsame Fuß- und Radwege in Fahrtrichtung links ist jedoch in der Regel eine Breite von 2,40 m nötig (VwV-StVO zu Absatz 4 Satz 3 und 4).

Regelbreite linker gemeinsamer Fuß- und Radwege zur Einrichtung einer Benutzungspflicht außerorts

Die oben genannten Regel- und Mindestbreiten umfassen aber immer die seitlichen Sicherheitsräume.

Wie breit muss ein Weg außerorts dann mindestens sein, um eine Benutzungspflicht durch Zeichen 240 anzuordnen?

Auch bei gemeinsamen Fuß- und Radwegen in Fahrtrichtung links müssen Sicherheitsräume nicht befestigt sein. Sie müssen lediglich frei von Hindernissen sein. Bei einem Sicherheitsraum zur Fahrbahn von 0,50 m ergibt sich so eine Mindestbreite für den befestigten Teil des außerörtlichen gemeinsamen Fuß- und Radweg in Gegenrichtung von 1,50 m.

Das ist aber lediglich das Mindestmaß. Da die Regelbreite 2,40 m beträgt, sollte die befestigte Verkehrsfläche des linken gemeinsamen Fuß- und Radweges 1,90 m breit sein.

In den meisten Fällen wird außerorts ein gemeinsamer Fuß- und Radweg sowohl für rechte, als auch für linke Radfahrer eingerichtet. Man spricht von einem Zweirichtungsradweg, da Radfahrer in beiden Richtungen unterwegs sind.

Vergleicht man die Mindestbreiten für rechte und linke gemeinsame Fuß- und Radwege, ergibt sich für die Einrichtung eines Zweirichtungsradweges mit Zeichen 240 außerhalb geschlossener Ortschaften eine Mindestbreite von 1,50 m.

Wenn man sich jedoch am Regelmaß für gemeinsame Fuß- und Radwege in Gegenrichtung orientiert, ergibt sich für einen außerörtlichen Zweirichtungsradweg mit Zeichen 240 eine Breite von 1,90 m.

Breite gemeinsamer Fuß- und Radwege in beide Fahrtrichtungen zur Einrichtung einer Benutzungspflicht außerorts

Neubau

Innerorts spielen gemeinsame Fuß- und Radwege in Gegenrichtung auch beim Neubau keine Rolle.

Außerhalb geschlossener Ortschaften müssen Zweirichtungsradwege mindestens 2,00 m breit sein, wenn diese neu gebaut werden. Die Mindestbreite ist aber nur dann anzusetzen, wenn wenige Radfahrer den Zweirichtungsradweg befahren werden. Zusätzlich muss ein Sicherheitstrennstreifen von 1,75 m vorhanden sein, der beim Begegnungsfall von zwei Anhängern befahrbar ist (Kapitel 3.5 ERA).

Auch bei außerörtlichen Zweirichtungsradwegen erscheint die Einbeziehung von mobilitätsbehinderten Menschen fraglich.

Wie sollten Zweirichtungsradwege außerorts aber in der Regel ausgebaut sein?

Wenn auf beiden Seiten ein Zweirichtungsradweg vorhanden ist, sollen beide in der Regel 2,50 m breit sein (Kapitel 3.5 ERA). Das ist aber eher seltener der Fall.

Soll der Radverkehr nur auf einer Seite in beide Richtungen geführt werden, so soll ein Regelmaß von 3,00 m angesetzt werden (Kapitel 3.5 ERA). Hinzu kommt ein Sicherheitstrennstreifen von 1,75 m Breite (Kapitel 2.2.1 ERA).

Regelmaß Neubau gemeinsamer Fuß- und Radwege in beide Fahrtrichtungen außerorts entlang der Fahrbahn

Regelmaße sollen immer bei stärkerem Radverkehr, in Gefällestrecken oder an unübersichtlichen Stellen angesetzt werden (Kapitel 3.5 ERA).

Zusammenfassung

Man kann die Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege nicht aus einer einzelnen Vorschrift ableiten. Im Gegenteil: Eine Reihe von Vorschriften ist notwendig, um zu ermitteln, wie die Mindestbreite gemeinsamer Fuß- und Radwege im Einzelfall sein muss. Man muss zwischen der Einrichtung einer Benutzungspflicht bei einer Gefahr für Radfahrer auf der Fahrbahn und dem Neubau eines gemeinsamen Fuß- und Radweges unterscheiden.

Beim Neubau von gemeinsamen Fuß- und Radwegen können größere Breiten erforderlich sein. Werden gemeinsame Fuß- und Radwege neu gebaut, muss bestimmt werden, wer diese benutzen wird. Wenn mobiltätseingeschränkte Menschen gemeinsame Fuß- und Radwege innerorts benutzen werden, ist die befestigte Verkehrsfläche entsprechend breiter auszuführen.

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Markus
Markus
Markus
Markus ist Sachbearbeiter bei der Verkehrsbehörde des Landratsamtes Karlsruhe. Wenn er nicht gerade bloggt, schreibt er für die Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht, oder hält Vorträge an Verwaltungsschulen zu Fragen im Bereich des Verkehrsrechts. Über die Jahre hat Markus bereits mit der Verwaltungsschule des Gemeindetages Baden-Württemberg, dem Hessischen Verwaltungsschulverband und der Kommunal-Akademie Rheinland-Pfalz zusammengearbeitet.

12 Kommentare

  1. Bruno Dembowski sagt:

    Hallo!
    Danke für die informative Seite. Wo kann man bitte die VwV zur StVO finden? Die hier erwähnten finde ich im Netz leider nicht. Es geht mir vor allem um linksseitige Radwege.
    Danke!

  2. dischue sagt:

    Guten Tag,
    Bei uns wurde vor kurzem ein kombinierter Rad/Gehweg (auf einer Seite der Straße vorhanden) vom Straßenverkehrsamt umgewidmet – bzw einfach die Schilder entfernt. Dieser Weg verbindet 2 Ortsteile und führt über ca. 2 km an einer kleinen Allee entlang. Diese Alle ist innerorts, dort steht ca. in der Mitte 1 Haus 3m vom Radweg.
    Der Weg wurde etwa um das Jahr 2000 errichtet. Meine Vermutung ist, dass er einfach zu schmal ist. Seit wann gelten die im Beitrag erwähnten Mindestbreiten? Gibt es für „ältere“ Wege keinen Bestandschutz? Diese Strecke bei uns ist zudem Schulweg. Ein breiterer Weg ist aus landschaftlichen Gegebenheiten kaum möglich – rechts davon ist ein Feuchtgebiet, eher Sumpf. Hier müßte mit viel Aufwand zunächst 1-2m Höhenunterschied ausgeglichen werden, zudem einige Bäume gefällt werden. Auch eine kleine Brücke wurde so schmal gebaut, dass ein breiterer Weg dort nicht mehr möglich ist.
    Gibt es irgendwelche Sondergenehmigungen oder Ausnahmeregelungen um den Weg als Radweg zu behalten oder als Radfahrer weiter nutzen zu dürfen?

    • Markus sagt:

      Hallo dischue,

      bei deinem Fall sind wir im Bereich Benutzungspflicht ja oder nein. Dementsprechend gelten die Vorgaben der VwV-StVO. Ich frage mich hier: War der gemeinsame Fuß- und Radweg wirklich innerorts? Es gilt: Linke gemeinsame Fuß- und Radwege sollen innerorts nicht angeordnet werden (VwV-StVO zu Absatz 4 Satz 3 und 4). Eine Benutzungspflicht in Gegenrichtung ist innerorts rechtswidrig.

      Zur innerörtlichen Mindestbreite: Hier ist die oben genannte Mindestbreite zur Benutzungspflicht innerorts für gemeinsame Fuß- und Radwege in Fahrtrichtung rechts heranzuziehen.

      Beachte aber: Die Aufstellung oder die Entfernung von Zeichen 240 hängt von vielen verschiedenen Punkten ab. Lies dazu gerne meinen Beitrag zu den Voraussetzungen gemeinsamer Fuß- und Radwege.

      Bestandsschutz ist ein Mythos.

      Straßenverkehrsbehörden haben bei jeder Gelegenheit die Voraussetzungen für einen reibungslosen Ablauf des Verkehrs zu prüfen. Alle zwei Jahre haben die Straßenverkehrsbehörden zu diesem Zweck eine umfassende Verkehrsschau vorzunehmen (VwV-StVO zu § 45 Absatz 3).

      Das macht auch Sinn, da sich die Rechtslage ständig ändert.

      Ein Wermutstropfen habe ich aber für dich: Nur weil die Zeichen 240 (Gemeinsamer Fuß- und Radweg) verschwunden sind, heißt das noch lange nicht, dass der Weg nicht als Radweg genutzt werden darf. Gegebenenfalls besteht noch ein Benutzungsrecht. Falls dies aus der Beschilderung oder Markierung nicht (eindeutig) hervorgeht, lohnt sich eine Rückfrage bei der für deinen Bezirk zuständigen Verkehrsbehörde. Dort kann man dir Auskunft geben, warum die Zeichen 240 entfernt wurden und ob die Benutzungspflicht in ein Benutzungsrecht umgewandelt wurde.

      • Birgit sagt:

        Hallo Markus,
        gemeinsame Fuß- und Radweg innerorts: „Eine Benutzungspflicht in Gegenrichtung ist innerorts rechtswidrig.“
        Ich finde auch, dass das ein No-Go ist, wird aber immer noch angeordnet und umgesetzt.
        Steht das genau so auch in der VwV St-VO („rechtswidrig“) oder auf was kann ich mich da konkret berufen?

        Die Seite ist super, vielen Dank !

        • Markus sagt:

          Hi Birgit,

          Steht das genau so auch in der VwV-StVO („rechtswidrig“) oder auf was kann ich mich da konkret berufen?

          Tatsächlich steht das so nicht explizit in der VwV-StVO.

          Die VwV-StVO sagt, dass „die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung […] insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden [ist] und […] deshalb grundsätzlich nicht angeordnet werden [soll]“ (VwV-StVO zu Absatz 4 Satz 3 und 4).

          Ein Soll ist zunächst, wie eine Muss zu verstehen. Nur in atypischen Einzelfällen ist es einer Straßenverkehrsbehörde in diesen Fällen erlaubt Ermessen auszuüben. Sagen wir, es liegt ein atypischer Einzelfall vor. Die Straßenverkehrsbehörde entschließt sich dazu Ermessen auszuüben. In der Ermessensausübung kommt die Straßenverkehrsbehörde zum Schluss, dass sie die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung erlaubt.

          Die nächste Frage ist: Wie wird das dann beschildert?

          Die VwV-StVO führt zur Freigabe linker Radwege (Radverkehr in Gegenrichtung) weiter aus, dass „eine Benutzungspflicht […] in der Regel außerhalb geschlossener Ortschaften, ein Benutzungsrecht innerhalb geschlossener Ortschaften ausnahmsweise in Betracht [kommt]“ (VwV-StVO zu Absatz 4 Satz 3 und 4).

          Wenn innerhalb geschlossener Ortschaften nur ausnahmsweise ein Benutzungsrecht in Gegenrichtung erlaubt ist, dann schließe ich daraus, dass eine Benutzungspflicht in Gegenrichtung rechtswidrig ist.

  3. Florian S. sagt:

    Guten Morgen!
    Auch ich möchte noch ein paar Kleinigkeiten zu dem Thema beisteuern:
    Wie sieht es denn mit Kurvenradien aus? – bezüglich Drängelgittern etc (sofern diese noch zulässig sind). – ich habe vor etwa einem Jahr ein 2,5 Meter langes Lastenrad (Bauart Long John glaube ich), Probegefahren. Es war mit mit diesem nur unter einbeziehung des Grünstreifens möglich (Schiebend) das Drängelgitter zu überwinden.. – Wenn ich nun, was an dem Fahrzeug zugelassen ist, noch ein Kinderanhänger mit nem Meter Breite dran hängt, hab ich praktisch verloren bei solchen Verkehrssituationen..

    Zum Thema Sicherheitsbereiche: dürfen darin Laternenpfäle, Mülleimer oder die Weißen Pfosten einer Straßenbegrenzung stehen?

    Und zuletzt würde mich auch interessieren, für welche Fahrgeschwindigkeiten grundsätzlich Radwege usw. ausgelegt sein müssen, bevor man eventuell entsprechend eine Gefahrenstelle oder eine Geschwindigkeitsbegrenzung per Schild anzeigen müsste.. – sofern es so was überhaupt gibt. – ich bin ein eher zügiger Fahrer und es gibt immer mal wieder Verkehrsführungen, die es einem unmöglich machen, mit 20-25 km/h die Radwege einzuhalten.. sei es, weil die Kurven zu eng sind, sei es, weil im Kurveninneren ein Laternenpfosten mit einem Mülleimer direkt an die Fahrbahn grenzt oder, weil die Bordsteinkanten einfach nicht gerade Fahrradfahrerfreundlich gestaltet sind.

    • Markus sagt:

      Hi Florian,

      wann und wie Umlaufsperren, auch Drängelgitter genannt, eingesetzt werden, ist unter anderem in der ERA geregelt. Zur Ausstattung von Überquerungsstellen von besonderen Bahnköpern gibt Kapitel 3.13 ERA Auskunft. Kapitel 5.2 und 9.4.2 ERA sprechen vom Verzicht von Umlaufsperren an plangleichen Überquerungsanlagen innerorts als Soll-Vorschrift. Auch bei Unter- und Überführungen soll laut Kapitel 5.3 ERA auf Umlaufsperren verzichtet werden. Wenn auf Umlaufsperren nicht verzichtet werden kann regelt Kapitel 11.1.10 der ERA, wie diese ausgestaltet werden müssen – darunter: Abmessungen, Abstand zur bevorrechtigten Straße, Überlappungsverbot usw.
      Das Thema Umlaufsperren werde ich in einem separaten Beitrag behandeln.

      Was sich im lichten Raum von Geh- und Radwegen befinden darf, ist in drei Vorschriften geregelt: RAL, RASt und ERA.

      Die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) befassen sich mit dem Entwurf und der Gestal­tung von Erschließungsstraßen sowie angebauter Haupt­verkehrsstraßen und anbaufreier Hauptverkehrsstraßen (Kapitel 0 RASt).

      Beim Entwurf von Landstraßen muss man sich an die Vorgaben der Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL) halten. Landstraßen sind anbaufreie einbahnige Straßen und zweibahnige Straßen bis ca. 15 km Länge außerhalb bebauter Gebiete (Kapitel 1.1 RAL).

      Die RAL sagt, dass der lichte Raum von Geh- oder Radwegen von festen Hindernissen (zum Beispiel Gebäude, Zäune, Mauern, Verkehrsschilder und Bäume) freizuhalten ist. Verkehrszeichen dürfen in den lichten Raum bis an die Grenze des Verkehrsraums hineinragen (Kapitel 4.2.2 RAL).

      Die RASt regelt zusätzliche Sicherheitsräume bei Radverkehrsanlagen in Kapitel 4.6 Tabelle 3. Dort heißt es beispielsweise, dass von Gebäuden, Einriedungen, Baumscheiben, Verkehrseinrichtungen und sonstigen Einbauten ein Sicherheitsraum 0,25 m einzuhalten ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Verkehrszeichen im Sicherheitsraum von Radverkehrsanlagen nach RASt erlaubt sind.

      Laut ERA sollen wiederum aus Gründen der Verkehrssicherheit Radverkehrsanlagen durch Sicherheitstrennstreifen von den angrenzenden Verkehrsflächen abgesetzt werden. Sicherheitstrennstreifen dienen der Aufnahme der Sicherheitsräume sowie der festen Einbauten (Kapitel 2.2.1 ERA).

      Das Thema Gefahrenstellen und Verkehrssicherungspflicht auf gemeinsamen Fuß- und Radwegen ist sehr komplex. Ich werde mich dieser Sache ebenfalls annehmen. Der Beitrag „Voraussetzungen zur Einrichtung gemeinsamer Fuß- und Radwege“ ist bereits in Arbeit. Die wichtigste Vorschrift aber schon einmal vorweg: § 3 Absatz 1 StVO gilt auch auf gemeinsamen Fuß- und Radwegen: „Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird.“ In engen Kurven musst du deine Geschwindigkeit daher anpassen.

  4. Frank Herrenbrück sagt:

    Irgendwie werden nirgendwo Dreiräder für Erwachsene berücksichtigt

    • Markus sagt:

      Hallo Frank,
      Dreiräder für Erwachsene waren mir bisher gar nicht bekannt. Vielen Dank für den Hinweis.
      Zum benötigten Verkehrsraum von Dreirräder für Erwachsene gibt es derzeit jedoch keine rechtlichen Vorgaben in der VwV-StVO, der RASt oder der ERA.
      Meine Meinung: Dreiräder für Erwachsener sollten hinsichtlich des Flächenbedarfs wie Fahrrädern mit Anhängern behandelt werden.

      • Christiane Fichte sagt:

        Hallo Markus,
        ich bin selbst Liegedreirad-Fahrerin und würde die Breite eher mit der eines Rollstuhls vergleichen. Ich komme bei meinem Fahrzeug auf 100 cm Breite, inkl. der Rückspiegel.
        Gruß, Christiane

        • Markus sagt:

          Hallo Christiane,

          ich bin mir nicht sicher, welche Art von Dreirad für Erwachsene Frank gemeint hat. Ich dachte er meinte Dreiräder zum aufrechten Fahren. Daher ging ich davon aus, dass diese ähnlich wie Fahrräder mit Anhängern ein wenig mehr Platz benötigen, weil die hinteren Räder über den Rahmen hinausragen.

          Ich danke dir für deinen Input zu Liegerädern: Rollstühle brauchen nach RASt 1,10 m Platz. Mit Begleitperson brauchen Rollstuhlfahrer nach RASt 1,00 m Verkehrsfläche. Normale Fahrräder sind in der Regel 0,60 m bis 0,70 m breit. Mein Mountainbike – die breiteste Stelle ist der Lenker – ist zum Beispiel 0,63 m breit. Nach RASt brauchen Fahrräder 1,00 m Verkehrsfläche.

          Du sagtest, dass dein Liegedreirad inklusive Rückspiegel 1,00 m breit ist. Ich würde dir als Liegedreirad-Fahrerin dann sogar mehr Platz zugestehen. Womöglich würde ich bei Liegerädern vom Platzbedarf auch eher in Richtung Fahrräder mit Anhängern – also 1,30 m – tendieren. Immerhin brauchst du ja auch noch rechts und links – ähnlich wie bei normalen Fahrrädern – einen gewissen Spielraum.

          Nichtdestotrotz: Auch zur benötigten Verkehrsfläche von Liegerädern gibt es keine rechtlichen Vorgaben in der VwV-StVO, der RASt oder der ERA.

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