Fallstudie zur Markierung von Fahrradstraßen [Piktogramme & Randmarkierungen]

In den letzten Wochen habe ich mich mit der Markierung von Fahrradstraßen befasst. Dabei hat mich überrascht, dass es in Deutschland eine ganze Menge unterschiedlicher Vorgehensweisen bei der Markierung von Fahrradstraßen gibt. Die Erkenntnisse habe ich euch hier zusammengefasst.

Zur Verdeutlichung einer Fahrradstraße bietet sich die Aufbringung des Piktogramms „Fahrradstraße“ auf der Fahrbahn an. Randmarkierungen sind auch in Fahrradstraßen grundsätzlich weiß. Nur als vorübergehend gültige Markierungen sind sie gelb; dann heben sie die weißen Markierungen auf.

In diesem Artikel werden verschiedene Arten von Piktogrammen und Randmarkierungen auf Fahrradstraßen beleuchtet – darunter: 

  • Grüne Fahrradpiktogramme
  • Zeichen 237 mit Richtungspfeilen als Piktogramm
  • Zeichen 244.1 als Piktogramm
  • Blau-weiße Randmarkierungen
  • und viele mehr …

Los geht’s mit der Verdeutlichung von Fahrradstraßen durch Piktogramme.

Verdeutlichung durch Fahrbahnmarkierungen

Zur Verdeutlichung der besonderen Regeln innerhalb einer Fahrradstraße werden vielerorts Piktogramme aufgebracht.

Fakt ist, dass keine genauen Vorgaben existieren, wie Fahrradstraßen markiert werden sollen.

Die “Empfehlungen für Radverkehrsanlagen” (ERA) empfehlen lediglich “an Einmündungen und Kreuzungen […] ein Fahrradpiktogramm auf der Fahrbahn” aufzubringen (Kapitel 6.3 ERA).

In der Bundesrepublik gibt es daher unterschiedliche Auffassungen zur Markierung von Fahrradstraßen.

Es folgt eine Auswahl von Piktogrammen auf Fahrradstraßen in Deutschland inklusive einer kritischen rechtlichen Betrachtung.

Grüne Fahrradpiktogramme

In Karlsruhe finden sich grüne Fahrradpiktogramme auf einigen Fahrradstraßen.

Grüne Fahrradpiktogramme

Die grünen Fahrradpiktogramme in Karlsruhe dienen allerdings nicht per se dazu Fahrradstraßen hervorzuheben. Grüne Fahrradpiktogramme in Karlsruhe führen den Radverkehr “zusam­men­hän­gend, zügig und sicher” auf der “Cityroute” durch die Stadt.

Für mich ist grüne Farbe, auch wenn diese nur bei Piktogrammen verwendet wird, jedoch bedenklich.

Markierungen und Radverkehrsführungsmarkierungen […] sind grundsätzlich weiß. Nur als vorübergehend gültige Markierungen sind sie gelb; dann heben sie die weißen Markierungen auf. 

§ 39 Absatz 5 StVO

Grüne Piktogramme verstoßen gegen die Vorgabe, dass Markierungen grundsätzlich weiß sein müssen.

Nur vorübergehende Markierungen dürfen eine andere Farbe aufweisen – nämlich gelb.

Fahrradpiktogramme mit Richtungspfeilen

Fahrradpiktogramme mit Richtungspfeilen sind zum Beispiel in Bonn beheimatet (Fahrradstraßenkonzept 2020 Stadt Bonn, Kapitel 5.1.2),

Fahrradpiktogramme mit Richtungspfeilen

Die weißen Fahrradpiktogramme entsprechen den Vorgaben der Straßenverkehrs-Ordnung. Sie werden durch Richtungspfeile ergänzt. 

Aus meiner Sicht ist die Ergänzung von Richtungspfeilen über Fahrradpiktogrammen unschädlich.

Zeichen 237 mit Richtungspfeilen als Piktogramm

Daneben gibt es in Bonn auch Zeichen 237 mit Richtungspfeilen als Fahrbahnmarkierung zur Verdeutlichung einer Fahrradstraße (Fahrradstraßenkonzept 2020 Stadt Bonn, Kapitel 3.1),

Zeichen 237 Radweg mit Richtungspfeilen

Zeichen 237 kennzeichnet einen Radweg. Radwege können nicht mit Fahrradstraßen gleichgesetzt werden. Auf Radwegen gelten andere Verkehrsregeln.

In Fahrradstraßen gilt beispielsweise “für den Fahrverkehr […] eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h” (Anlage 2 Abschnitt 5 Sonderwege laufende Nummer 23 StVO).

Auf Radwegen gibt es kein Ge- oder Verbot eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit einzuhalten.

Meine Meinung: Durch den Einsatz von Zeichen 237 als Piktogramm auf einer Fahrradstraße kann der Eindruck entstehen, dass man sich gerade auf einem Radweg befindet.

Auch wenn nicht der Eindruck entsteht, dass man einen Radweg befährt, so kann die Aufbringung von Zeichen 237 als Piktogramm auf einer Fahrradstraße Verkehrsteilnehmer verunsichern. Ihnen ist dann womöglich nicht klar, welche Verkehrsregeln gelten.

Sinnbild „Radverkehr“ in weißem Kreis als Piktogramm

In Bremen wird in Fahrradstraßen das Sinnbild „Radverkehr“ in einem weißen Kreis aufgebracht (Bremer Leitlinien für die Gestaltung von Fahrradstraßen, Kapitel 1.5),

Sinnbild „Radverkehr“ in weißem Kreis

Die rechtlichen Vorgaben sind erfüllt: Die Markierung ist durchgehend weiß.

Zeichen 244.1 als Piktogramm

In Erlangen, Bonn und Karlsruhe wird Zeichen 244.1 als Piktogramm auf der Fahrbahn markiert (Leitlinien für die einheitliche Gestaltung von Fahrradstraßen Stadt Erlangen, Kapitel 4.1; Fahrradstraßenkonzept 2020 Stadt Bonn, Kapitel 3.2).

Zeichen 244.1 als Piktogramm

Das Innere des Piktogramms ist blau. Damit verstößt es ebenfalls gegen den Grundsatz, dass Markierungen weiß ausgeführt werden müssen.

Allerdings gilt es einen wichtigen Punkt zu beachten: Das Piktogramm entspricht 1:1 der Beschilderung der Straße.

Im Gegensatz zur Aufbringung von Zeichen 237 mit Richtungspfeilen als Piktogramm, kommt es durch die Markierung von Zeichen 244.1 auf der Fahrbahn nicht zu Unklarheiten, auf welcher Art von Sonderweg man sich gerade befindet.

Falls du Zeichen 244.1 am Anfang der Fahrradstraße übersieht, wirst du durch das Piktogramm des Verkehrszeichens daran erinnerst, dass du eine Fahrradstraße befährst.

Damit stellt Letzteres meiner Ansicht nach momentan den “best practice” dar.

Randmarkierungen in Fahrradstraßen

Auch Randmarkierungen müssen weiß sein. Gelbe Markierungen heben weiße Markierungen auf; sind aber nur für den vorübergehenden Gebrauch gedacht (§ 39 Absatz 5 StVO).

Darüber hinaus wären auch Markierungsknopfreihen, Markierungsleuchtknopfreihen, Leitschwellen oder Leitborde, anstelle von gelben Markierungen möglich (§ 39 Absatz 5 StVO).

Des Weiteren gelten Leuchtknopfreihen nur, 

wenn sie eingeschaltet sind. Alle Linien können durch gleichmäßig dichte Markierungsknopfreihen ersetzt werden.

§ 39 Absatz 5 StVO

Welche Randmarkierungen auf deutschen Fahrradstraßen derzeit eingesetzt werden und welche davon zulässig sind, erfährst du im Folgenden.

Blau-weiße Randmarkierungen

Entlang von deutschen Fahrradstraßen finden sich beispielsweise blau-weiße Randmarkierungen als Schmalstriche.

Blau-weiße Randmarkierungen Schmalstriche

Der blaue Teil der Markierung ist nicht zulässig.

Grüne Randmarkierungen

Es werden auch grüne Randmarkierungen als Schmalstrich verwendet.

Grüne Randmarkierungen Schmalstriche

Genauso wie grüne Fahrradpiktogramme, verstoßen auch grüne Randmarkierungen gegen die Vorgabe, dass Markierungen grundsätzlich weiß sein müssen.

Rote Randmarkierungen

Die Stadt Erlangen stattet die Ränder von Fahrradstraßen mit roten Randmarkierungen als Breitstriche aus (Leitlinien für die einheitliche Gestaltung von Fahrradstraßen Stadt Erlangen, Kapitel 4.1).

Rote Randmarkierungen Breitstriche

Auch rote Randmarkierungen sind nicht zulässig.

Weiße Randmarkierungen

Darüber hinaus gibt es auch weiße durchgezogene Randmarkierungen entlang von Parkplätzen als Breitstriche.

In Bonn gibt es unterbrochene weiße Breitstriche am Rand von Fahrradstraßen (Fahrradstraßenkonzept 2020 Stadt Bonn, Kapitel 5.1.3).

Weiße Randmarkierungen unterbrochene Breitstriche

Die oben dargestellten weißen Randmarkierungen erfüllen beide die Vorgaben.

Fahrradstraßen müssen aber nicht zwingend mit Randmarkierungen versehen werden. Es gibt auch Fahrradstraßen ohne Randmarkierung.

Kreuzungen und Einmündungen

Zur Verdeutlichung der Bevorrechtigung von Radfahrern an Kreuzungen oder Einmündungen, findet man Hin und Wieder auch eine rote Einfärbung der Fahrbahn in den Knotenpunkten (Leitlinien für die einheitliche Gestaltung von Fahrradstraßen Stadt Erlangen, Kapitel 4.3).

Roteinfärbung von Knoten

Die rote Einfärbung der Fahrbahn in den Knotenpunkten wird von der Roteinfärbung von Radverkehrsfurten abgeleitet.

Meine Meinung: Es ist zumindest fraglich, ob die Roteinfärbung der Fahrbahn in den Knotenpunkten zulässig ist.

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Markus
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Markus
Markus ist Sachbearbeiter bei der Verkehrsbehörde des Landratsamtes Karlsruhe. Wenn er nicht gerade bloggt, schreibt er für die Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht, oder hält Vorträge an Verwaltungsschulen zu Fragen im Bereich des Verkehrsrechts. Über die Jahre hat Markus bereits mit der Verwaltungsschule des Gemeindetages Baden-Württemberg, dem Hessischen Verwaltungsschulverband und der Kommunal-Akademie Rheinland-Pfalz zusammengearbeitet.

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