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Breite von Schutzstreifen für Radfahrer – Detaillierte Analyse [+best practice]

Mittlerweile werden mehr und mehr Schutzstreifen auf deutschen Straßen markiert. Eine wesentliche Rolle bei der Gewährleistung der Verkehrssicherheit spielt die Breite der Schutzstreifen.

Schutzstreifen sind in Deutschland mindestens 1,25 m breit. Die Regelbreite eines Schutzstreifens beträgt 1,50 m. Nach derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand sollte die Breite von Schutzstreifen jedoch mindestens 1,85 m betragen. Die Markierung zählt zur Breite eines Schutzstreifens.

Ob Schutzstreifen eingerichtet werden können, hängt häufig davon ab, ob eine ausreichende Fahrbahnbreite zur Verfügung steht.

In diesem Beitrag habe ich mich der Frage gewidmet, wie breit eine Fahrbahn mindestens sein muss, damit Schutzstreifen markiert werden können. Dabei werden unter anderem folgende Themenbereiche beleuchtet:

  • Einseitige Schutzstreifen innerorts
  • Beidseitige Schutzstreifen innerorts
  • Sicherheitsräume zu Längsparkständen
  • Sicherheitsräume zu Schräg- und Senkrechtparkständen

Am Ende schauen wir uns noch einige gelungene Praxisbeispiele unter best practice an.

Let’s go!

Grundmaße

Die Mindestbreite von Schutzstreifen beträgt 1,25 m (Kapitel 3.2 ERA).

Mindestbreite Schutzstreifen ERA

Nach Ansicht des Stadt- & Verkehrsplanungsbüros Kaulen ist allerdings eine Breite von 1,40 m erstrebenswert (SVK, Gutachten zum Einsatz und zur Wirkung von einseitigen, alternierenden und beidseitigen Schutzstreifen auf schmalen Fahrbahnen innerorts, S. VI und 52).

Mindestbreite Schutzstreifen Wissenschaft

Schutzstreifen sollen nach den Vorgaben der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen in der Regel 1,50 m breit sein (Kapitel 3.2 ERA).

Regelbreite Schutzstreifen ERA

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. sollte die Mindestbreite von Schutzstreifen möglichst 1,85 m betragen (GDV, Sicherheit und Nutzbarkeit markierter Radverkehrsführungen, S. 80).

Zwischen Schutzstreifen und Längs-, Schräg- und Senkrechtparkstände müssen Sicherheitsräume vorgehalten werden.

Sicherheitsräume müssen nicht baulich oder durch Markierung gekennzeichnet werden (Kapitel 3.2 ERA).

Statt Sicherheitsräumen sind allerdings Sicherheitstrennstreifen zu markieren, wenn es zu vielen Parkwechseln kommt (Kapitel 3.2 ERA).

Die Unfallforschung der Versicherer empfiehlt mittlerweile generell die Anlage von Sicherheitstrennstreifen zwischen Schutzstreifen und Parkständen von 0,75 m Breite.

Wichtig dabei: Die Studie der Unfallforschung der Versicherer stellt den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand dar.

Wie bereits oben erläutert, fordern die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen Sicherheitstrennstreifen nur bei vielen Parkwechseln (Kapitel 3.2 ERA).

Welche Fahrbahnbreite mindestens vorhanden sein muss, damit einseitige oder beidseitige Schutzstreifen markiert werden können, erfährst du im Folgenden.

Dabei gehe ich von einem Mindestmaß von 1,40 m aus.

Des Weiteren berücksichtige ich auch die Sicherheitsräume der oben genannten Längs-, Schräg- und Senkrechtparkstände nach den gängigen Regelwerken.

Für sich begegnende Kraftfahrzeuge soll mindestens eine Breite von 4,50 m verbleiben. Bei hohen Verkehrsstärken soll dieser Teil sogar 5,00 m betragen (Kapitel 3.2 ERA).

Bei vielen Schwerlastfahrzeugen reicht eine Restfahrbahnbreite für Kraftfahrzeuge von 4,50 m nicht mehr aus (Kapitel 3.2 ERA).

In den folgenden Beispielen wird eine Breite 4,50 m angesetzt.

Der verbleibende Teil für Kraftfahrzeuge wird auch Kernfahrbahnbreite genannt.

In der Fahrbahnmitte darf keine Leitlinie markiert werden, wenn die verbleibende Fahrgasse für Kraftfahrzeuge schmaler als 5,50 m ist. 

In Baden-Württemberg sind mit einer Ausnahmegenehmigung des Ministeriums für Verkehr auch Kernfahrbahnbreiten von 4,10 m möglich.

Zweistreifige Straßen innerorts

Einseitige Schutzstreifen

Zur Markierung von einseitigen Schutzstreifen ohne Seitenstreifen wird eine Fahrbahnbreite von 5,90 m benötigt.

Einseitiger Schutzstreifen kein Parken

Bei schmaler Kernfahrbahnbreite muss die Fahrbahn mindestens 5,50 m breit sein.

Einseitiger Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn kein Parken

Längsparkstände

Zu Längsparkständen muss ein Sicherheitsraum von 0,50 m vorgehalten werden (Kapitel 3.2 ERA).

Mit einer Kernfahrbahnbreite von 4,50 m und einseitigem Parken beträgt die notwendige Gesamtbreite der Fahrbahn somit 6,40 m.

Einseitiger Schutzstreifen einseitiges Längsparken

Bei schmaler Kernfahrbahn muss die Fahrbahn nur 5,50 m breit sein, um einen einseitigen Schutzstreifen zu verwirklichen.

Einseitiger Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn einseitiges Längsparken

Schrägparkstände und Senkrechtparkstände

Zwischen Schrägparkständen und Schutzstreifen muss ein Sicherheitsraum von 0,75 m freigehalten werden.

Der gleiche Sicherheitsraum ist zwischen Schutzstreifen und Senkrechtparkständen vorzuhalten.

Insgesamt wird zur Einrichtung eines einseitigen Schutzstreifens entlang von Schräg- und Senkrechtparkständen demnach mindestens eine Fahrbahnbreite von 6,65 m benötigt.

Einseitiger Schutzstreifen einseitiges Senkrechtparken

Soll die Kernfahrbahn nur 4,10 m breit sein, genügt eine Fahrbahnbreite von 6,25 m, um einen einseitigen Schutzstreifen einzurichten.

Einseitiger Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn einseitiges Senkrechtparken

Beidseitige Schutzstreifen

Die Anlage beidseitiger Schutzstreifen bedarf einer Mindestfahrbahnbreite von 7,30 m.

Beidseitige Schutzstreifen kein Parken

Strecken mit schmaler Kernfahrbahn ermöglichen die Markierung beidseitiger Schutzstreifen schon mit einer Fahrbahnbreite von 6,80 m.

Beidseitige Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn kein Parken

Längsparkstände

Sind Längsparkstände auf einer Seite vorhanden, kommt ein Sicherheitsraum von 0,50 m hinzu.

Dadurch wird mindestens eine Fahrbahnbreite von 7,80 m benötigt.

Beidseitige Schutzstreifen einseitiges Längsparken

Ist eine schmale Kernfahrbahn möglich, so verringert sich die notwendige Fahrbahnbreite auf 7,40 m.

Beidseitige Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn einseitiges Längsparken

Bei Längsparkständen auf beiden Seiten, ist ein Sicherheitsraum von 0,50 m auf beiden Seiten vorzuhalten.

Dadurch muss mindestens eine Fahrbahnbreite von 8,30 m zur Verfügung stehen.

Beidseitige Schutzstreifen beidseitiges Längsparken

Mit schmaler Kernfahrbahn ist die erforderliche Fahrbahnbreite ein wenig geringer. Sie beträgt dann 7,90 m.

Beidseitige Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn beidseitiges Längsparken

Schrägparkstände und Senkrechtparkstände

Wie bereits oben erwähnt, ist zwischen Schrägparkständen und Schutzstreifen ein Sicherheitsraum von 0,75 m erforderlich.

Wenn Schrägparkstände nur auf einer Seite vorhanden sind, ist für die Anlage von beidseitigen Schutzstreifen eine Fahrbahnbreite von 8,05 m notwendig.

Beidseitige Schutzstreifen einseitiges Schrägparken

Sind Schrägparkstände allerdings auf beiden Seiten eingerichtet, benötigt man mindestens eine Fahrbahnbreite von 8,80 m.

Beidseitige Schutzstreifen beidseitiges Schrägparken

Bei einer verbleibenden Restfahrbahnbreite von 4,10 m für Kraftfahrzeuge und einseitigem Schrägparken, verringert sich die erforderliche Fahrbahnbreite zur Markierung von beidseitigen Schutzstreifen auf 7,65 m.

Beidseitige Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn einseitiges Schrägparken

Ist beidseitiges Schrägparken erlaubt, muss bei schmaler Kernfahrbahnbreite für beidseitige Schutzstreifen eine Fahrbahnbreite von 8,40 m zur Verfügung stehen.

Beidseitige Schutzstreifen schmale Kernfahrbahn beidseitiges Schrägparken

Senkrechtparkstände benötigen zu Schutzstreifen ebenfalls einen Sicherheitsraum von 0,75 m.

Die oben genannten erforderlichen Fahrbahnbreiten von Schrägparkständen können demnach auch für Senkrechtparkstände angesetzt werden.

Beispielsweise ist bei beidseitigen Senkrechtparkständen für die Anlage von beidseitigen Schutzstreifen eine Mindestfahrbahnbreite von 8,80 m notwendig.

Vierstreifige Straßen innerorts

Um einen Schutzstreifen entlang einer vierstreifigen Straße anlegen zu können, muss die Richtungsfahrbahn mindestens 6,50 m breit sein (Kapitel 3.2 ERA).

Zur Markierung der Schutzstreifen ist dann eine Neuordnung des Straßenraums erforderlich. Dabei gibt zwei Möglichkeiten:

Einerseits kann ein überbreiter Fahrstreifen mit einem Schutzstreifen kombiniert werden. Der überbreite Fahrstreifen sollte dann eine Mindestbreite von 5,00 m aufweisen. Der Schutzstreifen sollte 1,50 m breit sein (Kapitel 3.2 ERA).

Überbreiter Fahrstreifen

Andererseits lässt sich bei einem geringen Schwerverkehrsanteil auch folgende Raumaufteilung verwirklichen (Kapitel 3.2 ERA):

  • Linker Fahrstreifen mit 2,75 m Breite
  • Rechter Fahrstreifen mit 2,25 m Breite
  • Schutzstreifen mit 1,50 m Breite

Sonderfall: Mittelinsel und Mittelstreifen

Schutzstreifen werden im Bereich von Mittelinsel oder Mittelstreifen markiert, wenn zwischen Schutzstreifen und Mittelinsel oder Mittelstreifen mindestens 2,25 m Platz vorhanden ist (Kapitel 3.2 ERA).

Dabei wird bei einer Richtungsfahrbahn mit einer Breite von 3,50 m, ein Schutzstreifen von 1,25 m Breite mit einem Fahrstreifen für den Kraftfahrzeugverkehr von 2,25 m Breite kombiniert (Kapitel 3.7 ERA).

Schutzstreifen Mittelinsel Mittelstreifen

Setzen wir unser Mindestmaß von 1,40 m für den Schutzstreifen an, so muss die Fahrbahnbreite sogar mindestens 3,65 m betragen.

Ist der Bereich zwischen Schutzstreifen und Mittelinsel oder Mittelstreifen schmäler als 2,25 m, so wird der Schutzstreifen im Bereich der Mittelinsel oder des Mittelstreifens unterbrochen (Kapitel 3.2 ERA).

Er hört dann ca. 20 m vor der betreffenden Mittelinsel oder dem betreffenden Mittelstreifen auf (Kapitel 3.2 ERA).

Best practice

So viel zur Theorie.

Aber mit welcher Breite werden Schutzstreifen in der Praxis markiert? Was funktioniert?

Einige gelungene Beispiele für die Markierung von Schutzstreifen haben ich dir hier zusammengestellt.

Dabei habe ich auch Kontakt mit den zuständigen Stadtplanungsämtern und Straßenverkehrsbehörden hinsichtlich der Breite von Fahrbahn, Schutzstreifen und Kernfahrbahn sowie der durchschnittlichen täglichen Verkehrsbelastung (DTV) und dem Schwerverkehrsanteil auf den einzelnen Straßen aufgenommen.

Die wichtigsten Kennzahlen sind in tabellarischer Ansicht aufbereitet. Dazu gibt es Impressionen der Ortsbegehungen und Erläuterungen zu weiteren Besonderheiten der Radverkehrsanlagen.

Kelternstraße in Tübingen

* Bestand 2019 – Fachabteilung Verkehrsplanung

Im mittleren Teil der Kelternstraße sind keine Seitenstreifen vorhanden. Dadurch müssen auch keine Sicherheitsräume berücksichtigt werden.

Beidseitige Schutzstreifen kein Parken

Im weiteren Verlauf der Kelternstraße sind allerdings einseitig Längsparkstände vorhanden. Hier wurde ein Sicherheitsraum von 0,50 m berücksichtigt.

Beidseitige Schutzstreifen einseitiges Längsparken

Auf der gegenüberliegenden Seite existiert kein Parkstreifen.

Beidseitige Schutzstreifen einseitiges Längsparken

Hauptstraße in Hambrücken

* Bestand 2016 – Verkehrssicherheitsscreening BW

Auf der Hauptstraße in Hambrücken wurden beidseitige Schutzstreifen mit einer Breite von 1,50 m markiert.

Beidseitige Schutzstreifen beidseitiges Längsparken

Auf Höhe der Kreuzung Adenauerstraße / Hofäckerstraße musste der Schutzstreifen im Bereich der Querungshilfe nicht unterbrochen werden, da der Abstand zwischen Schutzstreifen und Mittelinsel mindestens 2,25 m betrug.

Beidseitige Schutzstreifen Mittelinsel

Auf beiden Seiten ist jeweils ein Sicherheitsraum von 0,50 m zwischen Parkständen und Schutzstreifen vorhanden. Dieser ist nicht baulich oder markierungstechnisch ausgeprägt.

Beidseitige Schutzstreifen beidseitiges Längsparken

Breslauer Straße in Neu-Ulm

* Bestand 2016 – Interpolierter Wert aus Verkehrsmodell Ulm/Neu-Ulm, Stand 22.02.2018

Die Stadt Neu-Ulm hat entlang der Breslauer Straße beidseitige Schutzstreifen markiert.

Beidseitige Schutzstreifen einseitiges Längsparken

Die Schutzstreifen weisen auf beiden Seiten eine Breite von 2,00 m auf.

Beidseitige Schutzstreifen beidseitiges Längsparken

Auf beiden Seiten wurde zwischen Schutzstreifen und parkenden Fahrzeugen zudem ein Sicherheitsraum von 0,50 m vorgehalten.

Beidseitige Schutzstreifen beidseitiges Längsparken

Im Bereich der Bushaltestellen wurde der Schutzstreifen richtlinienkonform unterbrochen (Kapitel 3.11 ERA).

Beidseitige Schutzstreifen unterbrochen Bushaltestelle Fußgängerüberweg

Der Schutzstreifen beginnt wieder direkt hinter der Fahrbahnrandhaltestelle (Kapitel 3.11 Bild 20 ERA).

Beidseitige Schutzstreifen Fortsetzung nach Bushaltestelle

Die Schutzstreifen werden auf Höhe der Fußgängerüberwege unterbrochen, da eine Fahrbahnbreite von 3,75 m im Bereich der Querungshilfe nicht gegeben ist.

Beidseitige Schutzstreifen unterbrochen Fußgängerüberweg

Schönbornstraße in Ubstadt-Weiher

* Bestand 2016 – Verkehrssicherheitsscreening BW

Die Schönbornstraße in Ubstadt-Weiher stellt ein Beispiel für die Anlage von Schutzstreifen auf einer anbaufreien Hauptverkehrsstraße innerhalb bebauter Gebiete dar (Kapitel 3.2 ERA).

Am Ortseingang wird der ankommende linke Radfahrer über eine Querungshilfe auf die rechte Fahrbahnseite überführt.

Breite Querungshilfe am Ortseingang für Fahrräder mit Anhänger

Die breite Querungshilfe ermöglicht es auch Radfahrern mit Anhängern sich aufzustellen, den nachfolgenden Verkehr zu beobachten und sich bei einer Lücke in den fließenden Verkehr einzuordnen.

Durch die Querungshilfe wird die Fahrbahn verschwenkt. Folge: Der Kraftfahrzeugverkehr reduziert seine Geschwindigkeit.

Nach der Querungshilfe beginnt ortseinwärts der Schutzstreifen.

Beginn Schutzstreifen nach Querungshilfe

Es handelt sich um einen beidseitigen Schutzstreifen entlang einer anbaufreien Hauptverkehrsstraße.

Beidseitiger Schutzstreifen anbaufreie Hauptverkehrsstraße

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist auf 50 km/h reduziert.

Hohenheimer Straße in Filderstadt

* Analysedaten von 2015 (in 24 h an einem Normalwerktag) im Rahmen der Erstellung des Mobilitätsentwicklungsplans

Die Hohenheimer Straße in Filderstadt weist einen beidseitigen Schutzstreifen mit schmaler Kernfahrbahn auf.

Beidseitige Schutzstreifen kein Parken

Schmale Kernfahrbahnen sind in Baden-Württemberg bislang nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg möglich.

An den Einmündungen wurden Radverkehrsfurten in Roteinfärbung markiert.

Beidseitige Schutzstreifen Radverkehrsfurten

An verkehrsreichen Grundstücksein- und ausfahrten – wie der Aral Tankstelle – wurde die Wartepflicht der über den Bordstein ausfahrenden Fahrzeuge (§ 10 StVO) durch eine Roteinfärbung der Fläche innerhalb des Schutzstreifens verdeutlicht.

Beidseitige Schutzstreifen Roteinfärbung Grundstückausfahrten

Seitenstreifen sind nicht vorhanden. Somit musste kein Sicherheitsraum berücksichtigt werden.

Beidseitige Schutzstreifen kein Seitenstreifen

Im nördlichen Teil der Hohenheimer Straße sind Bushaltestellen am Fahrbahnrand eingerichtet. Im Bereich der Bushaltestellen werden die Schutzstreifen unterbrochen.

Beidseitige Schutzstreifen unterbrochen Bushaltestelle

Direkt hinter den Fahrbahnrandhaltestellen werden die Schutzstreifen hinter den Fahrbahnteilern fortgesetzt.

Beidseitige Schutzstreifen Fortsetzung nach Bushaltestelle

Kurz vor dem Kreisverkehr Hohenheimer Straße / Hofwiesenstraße können Radfahrer vom Schutzstreifen auf einen straßenbegleitenden Radweg wechseln.

Beidseitige Schutzstreifen Ausschleifung parallel verlaufenden Radweg

Dies wird auch Ausschleifung auf einen baulichen Radweg genannt.

Rheinstraße in Karlsruhe

Die Rheinstraße in Karlsruhe weist einen Mittelstreifen auf, auf dem Straßenbahnen in beiden Fahrtrichtungen verkehren.

Auf der Südseite der Rheinstraße wurde in östlicher Fahrtrichtung ein Schutzstreifen mit dem Regelmaß von 1,50 m Breite markiert.

Einseitige Schutzstreifen einseitiges Schrägparken

Für Autofahrer steht eine Fahrspur zur Verfügung.

Wegen häufiger Parkwechsel wurde ein Sicherheitstrennstreifen von 0,75 m Breite, anstatt eines Sicherheitsraumes, zwischen Schutzstreifen und Schrägparkständen markiert.

Lupferbrücke in Ulm

Die Schutzstreifen entlang der Lupferbrücke wurden auf einer vierstreifigen Straße mit Mittelstreifen angelegt. Der betreffende Streckenabschnitt befindet sich auf einer anbaufreien Hauptverkehrsstraße innerhalb Ulms.

Einseitige Schutzstreifen vierspurige Straße Mittelmarkierung

Dabei sind die beiden Fahrstreifen für den Kraftfahrzeugverkehr so breit, dass eine Mittelmarkierung aufgebracht werden konnte.

Fazit

Um Radfahrer sicher zu führen, sollten Schutzstreifen mindestens 1,40 m breit sein.

Für Schutzstreifen ohne Parkstände sollte idealerweise eine Fahrbahnbreite von 7,30 m zur Verfügung stehen. Bei einer Breite von 7,30 m sind beidseitige Schutzstreifen von jeweils 1,40 m Breite, und eine Kernfahrbahnbreite von 4,50 m, enthalten.

Zum Schluss geht noch ein Dank an die Stadtverwaltungen Neu-Ulm, Karlsruhe, Tübingen, Filderstadt und Ulm für die Bereitstellung der Kennzahlen und weiterer Informationen zu den best practice Beispielen.

Jetzt bist du dran: Sind dir durch den heutigen Beitrag Orte eingefallen, die sich für Schutzstreifen anbieten?

Oder kennst du weitere gelungene Beispiele für die Markierung von Schutzstreifen, die noch nicht Teil dieses Artikels sind?

Ich freue mich auf deine Kommentare.

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Markus
Markus
Markus
Markus schreibt für Fachzeitschriften und hält Vorträge an Verwaltungsschulen zu Fragen im Bereich Straßenverkehrsrecht. Über die Jahre hat Markus bereits mit der Verwaltungsschule des Gemeindetages Baden-Württemberg, dem Hessischen Verwaltungsschulverband und der Kommunal-Akademie Rheinland-Pfalz zusammengearbeitet.

9 Kommentare

  1. Detlev sagt:

    Die Rheinstraße in Karlsruhe ist m.W. inzwischen ummarkiert zu Radfahrstreifen mit nur noch einem Kfz-Fahrstreifen daneben.

    Der „Todesstreifen“ ist deutlich zu negativ: Unfälle überhaupt im Zusammenhang mit Schutzstreifen durch Auffahren von hinten oder zu enges Überholen sind selten, wie auch beim Mischverkehr der Radfahrer auf der Fahrbahn ohne irgendwelche anderen Maßnahmen. Tödliche Unfälle in dieser Konstellation sind innerorts fast nie passiert (ich habe zumindest trotz Recherchen in D keine gefunden). Unfallgefährlich ist Ein- und Ausparken sowie Dooring, und natürlich Vorfahrtmissachtungen durch Sichtbehinderungen auf die relativ weit rechts fahrenden Radfahrer: „Die Gefahr kommt von rechts!“

    Von hinten angefahren oder viel zu eng überholt zu werden: davor hat man zwar immer Angst. Real passieren diese Unfälle aber fast ausschließlich außerorts.

    Nein, bei 6,00 m Fahrbahnbreite sind beidseitige Schutzstreife NICHT zulässig, da man dafür nach ERA 2010 mindestens 7,00 m braucht: jeweils mindestens 1,25 +4,50 + 1,25. Dass es küftig auf die 1,40 Mindestbreite gehen kann, ist nicht unwahrscheinlich.

    • Markus sagt:

      Hi Detlev,

      nach dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. sollte die Breite von Schutzstreifen mindestens 1,85 m betragen.

      Der Artikel wurde entsprechend überarbeitet. Allerdings gehe ich im Hauptteil und bei den best practice Beispielen nach wie vor von einem Mindestmaß von 1,40 m aus.

  2. Steffen sagt:

    Die Aussage „Die Markierung zählt zur Breite eines Schutzstreifens“ ist m. E. so nicht richtig.
    Siehe ERA 2010, Seite 22, Bild 9: Mögliche Ausprägungen eines Schutzstreifens:
    „Die Lage der Markierung muss sich mittig zwischen den Verkehrsflächen befinden.“
    Siehe auch Wikipedia „Radverkehrsanlage“:
    „Schutzstreifen sind nach den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, bezogen auf die Mitte der Markierung[9], mindestens 125 cm breit anzulegen, in der Regel 150 cm, die VwV-StVO enthält keine Angaben zur Breite von Schutzstreifen.“
    Bei der Breite einer Schmalstrich-Markierung von 12 cm zählen also nur 6 cm zur Schutzstreifen-Breite.

    • Markus sagt:

      Hi Steffen,

      danke für deinen Input.

      Die Aussage „Die Markierung zählt zur Breite eines Schutzstreifens“ ist korrekt. Lies dazu gerne nochmal in Kapitel 2.2.1 ERA rein.

      In Tabelle 5 ERA heißt es:

      Breite der Radverkehrsanlage (jeweils einschließlich Markierung)
      Schutzstreifen Regelmaß 1,50 m
      Schutzstreifen Mindestmaß 1,25 m

  3. Ulrich Scheuerl sagt:

    Anfrage: Ist es möglich bei einer Fahrbahnbreite von sechs Metern beiderseitig einen Schutzstreifen anzulegen. Es handelt sich dabei um eine Straße, die nur eine mäßige Verkehrsbelastung ( wenig Autoverkehr und wenig Radverkehr! ) aufweist.

  4. Erwin Habisch sagt:

    Der Schutzstreifen kann zum Todesstreifen werden. Eine Studie der Unfallforschunhg der Versicherer schreibt dazu: „Beim Überholen von Radfahrern auf den Streifen unterschreitet fast jedes zweite Kraftfahrzeug den Seitenabstand von 150 cm. … Lkw und Busse fuhren nochmal deutlich häufiger sehr dicht an den Radfahrern vorbei. … Die überholenden Kraftfahrzeuge orientieren sich vor allem an den Markierungen auf der Fahrbahn.“
    Da Autofahrer 1,5 Meter Abstand beim Überholen von Radfahrern halten müssen, sind die ganzen oben gemachten Berechnungen sinnlos. Wenn bei einer Verkehrsinsel 3,25 Meter Straßenbreite vorhanden ist, besteht faktisch ein Überholverbot, da 1 m (Fahrrad) + 1,5 m (Sicherheitsabstand) + 2 m (Fahrzeugbreite Kleinwagen) schon 4,5 Meter Breite erfordern.
    Im Bild kann man sich das hier ansehen: http://lbg.adfc-nds.de/index.php?id=7676&L=0

    • Markus sagt:

      Hi Erwin,

      die Vorgaben zum Überholen mit Kraftfahrzeugen von zu Fuß Gehenden, Rad Fahrenden und Elektrokleinstfahrzeug Führenden sind von den Vorgaben zur Planung von Schutzstreifen zu trennen.
      Das eine sind Verkehrsregeln, das andere sind Planungsregeln.

      • Holger sagt:

        Dass die Planungsregeln die Verkehrsregeln (StVO und die einschlägigen Gerichtsurteile) nicht berücksichtigen müssen, empfinde ich mehr als merkwürdig. Das führt zu unverständlichen und schwierigen Entscheidungssituationen und Dilemma-Situationen im Verkehr. Die Verwaltungsvorschriften fordern andererseits eine schnelle, unmittelbare Verständlichkeit der Verkehrsführung und der geltenden Verkehrsregeln.

        Beispiele:

        1. Radfahrer müssen 60cm Abstand vom Gehweg halten. Bei einem Schutzstreifen in Minimalbreite von 1,25m passt das nicht mehr mit dem Verkehrsraum eines Normal-Radlers (kein Anhänger, kein Lastenrad) zusammen, der 60cm + 2 mal 20cm „Schlingertoleranz“ enthält.

        2. Radfahrer müssen einen Abstand von 80cm bis 1,5m zu längs parkenden Autos halten (eine Türbreite), damit ihnen bei Dooring-Unfällen keine Schuld zugesprochen wird. Bei einer Schutzstreifenbreite von 1,5m und 50cm Sicherheitsstreifen ist das nicht mehr darstellbar.

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