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Das Geheimnis der maximalen Abmessungen eines Pkw mit Anhänger

In Deutschland richtet sich die zulässige Länge, Breite und Höhe eines Pkw mit Anhänger nach der StVZO. Der zulässige Ladungsüberstand wird von der StVO bestimmt: Der Anhänger mit Ladung darf maximal 2,55 m breit, und 4,00 m hoch, sein. Bei einer Wegstrecke bis zu 100 km, darf die Ladung bis zu 3,00 m nach hinten überstehen. Soll eine Wegstrecke von mehr als 100 km zurückgelegt werden, ist lediglich ein Ladungsüberstand von 1,50 m erlaubt.

Im heutigen Beitrag zeige ich dir anhand von Beispielen und Bildern

  • wie lang und breit dein Pkw mit Anhänger sein darf,
  • die maximale Länge, Breite und Höhe der Ladung auf einem Anhänger,
  • den zulässigen Ladungsüberhang,
  • wie überstehende Ladung kenntlich gemacht werden muss,
  • und vieles mehr

Lass uns deine Kombination zusammenstellen!

Maximale Länge Pkw mit Anhänger

Bevor wir uns mit der maximalen Länge einer Kombination aus Pkw und Anhänger beschäftigen, müssen wir den Unterschied zwischen Kraftfahrzeug und Zugmaschine im Sinne des § 32 StVZO herausarbeiten.

Wann ist ein Kraftfahrzeug überhaupt eine Zugmaschine?

Wie der Name schon sagt, zieht eine Zugmaschine ein anderes Fahrzeug. 

Wenn Fahrzeuge nicht nur zum Ziehen, sondern auch zum Transport von Personen oder Gütern eingesetzt werden, dann sind sie keine Zugmaschinen.

Ein Pkw wird nicht unter den Begriff “Zugmaschine” eingeordnet, weil in einem Pkw Personen oder Güter transportiert werden können. Pkw sind Kraftfahrzeuge. 

Kraftfahrzeuge mit Anhängern dürfen maximal 18,00 m lang sein (§ 32 Absatz 4 Nummer 3 StVZO).

Pkw mit Anhängern dürfen daher maximal 18,00 m lang sein.

Zulässige Länge Pkw Anhänger

Dabei darf die Länge des verwendeten Anhängers maximal 12,00 m einschließlich seiner Zugeinrichtung betragen (Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 der Kommission vom 12.12.2012, Amtsblatt der Europäischen Union L 353/31; § 32 Absatz 3 Nummer 1 StVZO).

Fragst du dich gerade, warum die Maximallänge von Anhängern mit Zugeinrichtung bemessen wird, obwohl in der StVZO nichts davon steht? Mehr dazu kannst du im Kapitel Zulässige Länge Anhänger in meinem Artikel Zulässige Länge von Lkw nachlesen.

Wohnwagen zählen auch zu den Anhängern. Sie dürfen dementsprechend nur 12,00 m einschließlich ihrer Zugeinrichtung lang sein (Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 der Kommission vom 12.12.2012, Amtsblatt der Europäischen Union L 353/31; § 32 Absatz 3 Nummer 1 StVZO).

Zulässige Länge Pkw Wohnwagen

Die maximale Länge eines Wohnmobils mit einem Anhänger darf ebenfalls nur 18,00 m betragen (§ 32 Absatz 4 Nummer 3 StVZO).

Zulässige Länge Wohnmobil Anhänger

Das liegt daran, dass Wohnmobile als Kraftfahrzeuge, und nicht als Zugmaschinen, angesehen werden.

Der Anhänger hinter dem Wohnmobil darf nur 12,00 m einschließlich seiner Zugeinrichtung lang sein (Verordnung (EU) Nr. 1230/2012 der Kommission vom 12.12.2012, Amtsblatt der Europäischen Union L 353/31; § 32 Absatz 3 Nummer 1 StVZO).

Auf Anhängern, die von Pkw gezogen werden, werden häufig Boote transportiert. Ein Boot auf einem Anhänger ragt Hin und Wieder über die Abmessungen des Anhängers hinaus.

Ladungsüberstand nach hinten

Die Ladung darf bei einer Wegstrecke von bis zu 100 km 3,00 m nach hinten über den Anhänger hinausragen (§ 22 Absatz 4 StVO).

Pkw Anhänger Ladungsüberstand nach hinten 3,00 m Wegstrecke bis 100 km

Pkw mit Anhänger und Ladung dürfen nicht länger als 20,75 m sein (§ 22 Absatz 4 StVO).

Ohne Ladung darf dein Pkw mit Anhänger bis zu 18,00 m lang sein. Bei einer Wegstrecke bis 100 km darf deine Ladung daher nur 2,75 m nach hinten überstehen.

Pkw Anhänger Ladungsüberstand nach hinten 2,75 m Wegstrecke bis 100 km

Wenn dein Anhänger jedoch nur 6,00 m lang ist, kommst du mit einem Pkw von 4,00 m Länge auf eine Gesamtlänge von etwa 11,00 m. 

Demnach darf bei dieser Fahrzeugkombination dein Ladungsüberstand nach hinten bei einer Strecke bis 100 km sogar 3,00 m betragen.

Pkw Anhänger 11,00 m Länge Ladungsüberstand nach hinten 3,00 m Wegstrecke bis 100 km

Bei Wegstrecken von mehr als 100 km, ist ein Ladungsüberhang von maximal 1,50 m möglich (§ 22 Absatz 4 StVO).

Pkw Anhänger Ladungsüberstand nach hinten 1,50 m Wegstrecke über 100 km

Ladungsüberstand nach vorne

Bis zu einer Höhe von 2,50 m darf keine Ladung nach vorne überstehen (§ 22 Absatz 3 StVO).

Erst ab einer Höhe von über 2,50 m darf die Ladung maximal 0,50 m über dein Fahrzeug nach vorne hinausragen (§ 22 Absatz 3 StVO).

Pkw weisen in der Regel eine Höhe von unter 2,00 m auf. Dementsprechend dürfte in der Regel bei Pkw kein Ladungsüberhang nach vorne möglich sein.

Maximale Breite Pkw mit Anhänger

Ein Pkw darf maximal 2,50 m breit sein (§ 32 Absatz 1 Nummer 5 StVZO).

Personenkraftwagen maximal zulässige Breite

Die Breite des Anhängers darf maximal 2,55 m betragen (§ 32 Absatz 1 Nummer 1 StVZO).

Zulässige Breite Allgemein

Des Weiteren darf auch die Ladung auf dem Anhänger nicht breiter als 2,55 m sein (§ 22 Absatz 2 StVO).

Ladung auf einem Anhänger maximal zulässige Breite

Das bedeutet, dass Boote auf Anhängern auch nicht breiter als 2,55 m sein dürfen.

Maximale Höhe Pkw mit Anhänger

Anhänger und Ladung dürfen zusammen nicht höher als 4,00 m sein (§ 22 Absatz 2 StVO).

Anhänger maximal zulässige Höhe

Ein Boot auf einem Anhänger darf demnach ebenfalls nicht höher als 4,00 m sein.

Überstehende Ladung nach hinten kennzeichnen

Wenn deine Ladung mehr als 1 m über die Rückstrahler nach hinten hinausragt, musst du sie kenntlich machen (§ 22 Absatz 4 StVO).

Kennzeichnen kannst du die nach hinten hinausragende Ladung mit einer hellroten Fahne. Diese darf muss mindestens eine Größe von 30 cm x 30 cm aufweisen. Sie wird durch eine Querstange auseinandergehalten (§ 22 Absatz 4 StVO).

Kennzeichnung Ladungüberhang hinten Fahne

Weiterhin musst du ein hellrotes Schild am Ende der Ladung anbringen. Das Schild muss quer zur Fahrtrichtung pendeln. Es ist ebenfalls mindestens 30 cm x 30 cm groß (§ 22 Absatz 4 StVO).

Kennzeichnung Ladungüberhang hinten Schild

Anstatt des oben genannten Schildes, kannst du auf deine überstehende Ladung aber auch mit einem hellroten Zylinder hinweisen. Dieser Zylinder hängt senkrecht. Er hat mindestens einen Durchmesser von 35 cm und eine Mindesthöhe von 30 cm (§ 22 Absatz 4 StVO).

Kennzeichnung Ladungüberhang hinten Zylinder

Was man bei Überlänge, Überbreite oder Überhöhe tut [Schritt für Schritt]

Alle Fahrzeuge die von den oben genannten Normen abweichen, brauchen eine Genehmigung.

Lass uns Schritt für Schritt durchgehen, welche Art der Genehmigung du in welcher Fallkonstellation benötigst …

Erlaubnis aufgrund abweichender Bauart

Ist dein Anhänger bereits zu lang oder zu breit gebaut?

Herzlich Glückwunsch! Du bist jetzt im Club der Großraum- und Schwertransporte. Dein Transport stellt eine übermäßige Straßennutzung dar. 

Der Weg zur Erlaubnis ist ein wenig mühselig: Hier sind TÜV, höhere Verwaltungsbehörde und Straßenverkehrsbehörde eingebunden.

Du benötigst eine Erlaubnis nach § 29 Absatz 3 StVO. Das reicht aber noch nicht.

Um eine Erlaubnis nach § 29 Absatz 3 StVO von der Straßenverkehrsbehörde zu bekommen, musst du eine Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO vorlegen.

Eine Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO bekommst du von der höheren Verwaltungsbehörde.

Die höhere Verwaltungsbehörde wird wiederum ein Gutachten eines Sachverständigers von dir verlangen. Gutachten zur Erlangung einer Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO bekommst du zum Beispiel vom TÜV.

Mit der Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO kannst du dann deinen Anhänger sowie deine Kombination aus Pkw und Anhänger bei der Zulassungsstelle anmelden.

Ferner kannst du deine Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO bei der Straßenverkehrsbehörde vorlegen, um eine Erlaubnis nach § 29 Absatz 3 StVO zu erhalten.

Der Weg geht also vom TÜV, über die höhere Verwaltungsbehörde, zur Zulassungsstelle und anschließend zur Straßenverkehrsbehörde.

Dein Weg zu einer Erlaubnis nach § 29 Absatz 3 StVO

Ausnahmegenehmigung wegen überstehender Ladung

Transportierst du lediglich Ladung, durch die dein Anhänger oder die Kombination aus Pkw und Anhänger zu lang, zu breit oder zu hoch wird, brauchst du eine Ausnahmegenehmigung nach § 46 Absatz 1 Nummer 5 StVO.

Eine Ausnahmegenehmigung für überstehende Ladung erhältst du von der Straßenverkehrsbehörde.

Erlaubnis und Ausnahmegenehmigung 

Wenn die Ladefläche deines Anhängers einerseits bereits breiter als zulässig gebaut ist, andererseits die Ladung an sich zu lang ist, ist sowohl eine Erlaubnis, als auch Ausnahmegenehmigung erforderlich.

In so einem Fall  werden Erlaubnis und Ausnahmegenehmigung dann aber zum Glück in einem Verfahren zusammen abgewickelt.

Wo und wie stelle ich meinen Antrag?

Welche Stelle als höhere Verwaltungsbehörde zur Ausstellung einer Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO zuständig ist, ist in jedem Bundesland anders. Wenn du die betreffende Stelle nicht über das Internet herausfindest, kannst du dich auch bei deiner örtlich zuständigen Zulassungsstelle melden. Die Kollegen und Kolleginnen wissen auf jeden Fall, wer ihre übergeordnete Behörde ist.

Welche Straßenverkehrsbehörde für dich zuständig ist, habe ich dir in diesem Artikel zusammengestellt.

Deinen Antrag auf eine Erlaubnis nach § 29 Absatz 3 StVO und/oder eine Ausnahmegenehmigung nach § 46 Absatz 1 Nummer 5 StVO kannst du über VEMAGS® einstellen. 

VEMAGS® ist das bundeseinheitliche eGovernment-Produkt zur Online-Abwicklung des Antrags- und Genehmigungsverfahrens für Großraum- und Schwertransporte (GST) aller 16 Bundesländer und des Bundes.

Zusammenfassung

Der gezogene Anhänger darf nicht länger als 12,00 m und breiter als 2,55 m sein. Ladung darf in Abhängigkeit der Wegstrecke und Länge der Kombination 1,50 m bis 3,00 m nach hinten überstehen. Die Kombination aus Pkw, Anhänger und Ladung darf maximal 20,75 m lang sein. Die maximale Höhe des Anhängers inklusive Ladung beträgt 4,00 m.

Bei Überlänge, Überbreite oder Überhöhe ist eine Erlaubnis nach § 29 Absatz 3 StVO und/oder eine Ausnahmegenehmigung nach § 46 Absatz 1 Nummer 5 StVO notwendig. 

Eine Erlaubnis nach § 29 Absatz 3 StVO und/oder eine Ausnahmegenehmigung nach § 46 Absatz 1 Nummer 5 StVO kannst du bei der für dich örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörde beantragen.

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Markus
Markus
Markus
Markus ist Sachbearbeiter bei der Verkehrsbehörde einer Kreisverwaltung. Wenn er nicht gerade bloggt, schreibt er für die Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht, oder hält Vorträge an Verwaltungsschulen zu Fragen im Bereich des Verkehrsrechts. Über die Jahre hat Markus bereits mit der Verwaltungsschule des Gemeindetages Baden-Württemberg, dem Hessischen Verwaltungsschulverband und der Kommunal-Akademie Rheinland-Pfalz zusammengearbeitet.

10 Kommentare

  1. Hendrik sagt:

    Deine Bemessungstipps sind graphisch wirklich top dargestellt. Für mich ist es immer noch schwierig zu sehen, wie die Richtige Bemessung bei einem Industrieanhänger ist. Kommt es da auch immer auf das Zulassungsgewicht an?

    • Markus sagt:

      Hallo Hendrik,

      vielen Dank. Leider verstehe ich deine Frage nicht zu 100 %. Die zulässige Länge hat zunächst einmal nichts mit dem zulässigen Gesamtgewicht zu tun. Die StVZO macht unter § 34 Absatz 5 allerdings auch Vorgaben zum zulässigen Gesamtgewicht von Kraftfahrzeugen und Anhängern. Meintest du das?

      Würdest du dir eine Übersicht der Vorgaben der StVZO in Punkto zulässige Gesamtgewichte wünschen?

  2. Karl Auer sagt:

    Hallo Markus,

    vorab ein Lob für die tolle Arbeit. Insbesondere die Ausarbeitung über die Autotransporter hat mir sehr imponiert.

    Verbessern würde ich die Darstellung der gezeigten Anhänger. Die Abmessungen werden von dir immer ohne Zugdeichsel angegeben. Das kann zu Missverständnissen führen. Die 12 Meter sind meines Wissens immer incl. Zugeinrichtung ?

    Im aktuellen Artikel bleibt die Frage offen, ob die Anhänger einen Ladungsüberhang nach vorne haben dürfen:
    http://schlauchboot-online.com/showthread.php?t=34698
    http://www.kfznet.com/wissenswertes/ladungsuberstand-bei-einem-pkw-anhanger-das-ist-moglich
    Extrem:
    https://www.vwt3.at/uploads/monthly_2020_01/IMG-20200130-WA0006.thumb.jpg.a40bc46967f47efb2ce362bf8931d63a.jpg
    von Website: https://www.vwt3.at/index.php?/topic/50030-ladung-sicherung-in-%C3%B6sterreich/

    Das gleiche Beispiel mit dem Holzbalken läßt sich auch in folgender Variante durchspielen: die überlangen Holzbalken werden ausschließlich auf einen hohen Palettenstapel auf der Ladefläche eines normalen Lkw festgezurrt. Die festgezurrten Holzbalken auf dem Palettenstapel stehen zulässig 0,5 m nach vorn über das Fahrerhaus. Preisfrage: Wie lange dürfen die Holzbalken nach hinten sein, wenn der Lkw einen leeren Tiefbettanhänger mitführt und die Fahrzeugkombination eine Gesamtlänge von 18,75 m hat. Das Ladegut „schwebt“ also nur über dem leeren Tiefbettanhänger.

    a) Ist es richtig, dass der 22er die Variante Anhänger mit Landungsüberhang nach vorne (wie im Link) nicht regelt ?

    b) Kann in der Variante Lkw mit Palettenstapel eine nach hinten frei schwebende Fahnenstange oder Firstbalken mit 20,75 Meter Gesamtlänge transportiert werden, wenn darunter ein leerer Anhänger (Zuglänge 18,75 m) läuft ?

    Über eine Antwort würde ich mich freuen

    • Markus sagt:

      Hi Karl,

      vielen Dank.

      Bei der Messung der Länge oder Teillänge werden Verbindungseinrichtungen bei Kraftfahrzeugen nicht berücksichtigt (§ 32 Absatz 6 Nummer 13 StVZO). Dies gilt jedoch nur, wenn durch die genannte Einrichtung die Ladefläche weder direkt noch indirekt verlängert wird (§ 32 Absatz 6 StVZO). Ich habe eine schematische Darstellung genommen, um so viele Fälle wie möglich abzudecken. Eine Übersicht, welche anderen Teile des Fahrzeuges nicht berücksichtigt werden, habe ich hier zusammengestellt. Die Übersicht lässt sich für Lkw und Pkw gleichermaßen anwenden. In § 32 Absatz 6 StVZO ist von Kraftfahrzeugen die Rede.

      Zu a) Wie du bereits richtig erwähnt hast, regelt § 22 StVO den Ladungsüberhang nach vorne über Anhänger nicht.

      Die Ladung darf bis zu einer Höhe von 2,50 m nicht nach vorn über das Fahrzeug, bei Zügen über das ziehende Fahrzeug hinausragen. Im Übrigen darf der Ladungsüberstand nach vorn bis zu 50 cm über das Fahrzeug, bei Zügen bis zu 50 cm über das ziehende Fahrzeug betragen.

      Zu b) Ich gehe von einem Ladungsüberhang nach vorne von 0,5 m in einer Höhe von 2,50 m aus. Ich verstehe nicht ganz, warum die Ladung „schwebt“ – die Holzbalken sind doch an den Palettenstapeln befestigt, oder nicht? Ansonsten muss man sagen, dass die maximal zulässige Gesamtlänge von 18,75 m bei der Kombination aus Zugmaschine und Anhängern aus § 32 Absatz 4 Nummer 3 b und die maximal zulässige Gesamtlänge aus Zug samt Ladung von 20,75 m (§ 22 Absatz 4 StVO) eingehalten wären. Hier stellt sich mir aber viel mehr die Frage: Ist das Thema Ladungssicherung ausreichend berücksichtigt.

      Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.

      § 22 Absatz 1 StVO

      Beispiel aus dem Bereich Großraumverkehr: Stammholz wird häufig so geladen, dass es nach vorne und hinten gleichzeitig hinausragt. Dabei werden aber spezielle Befestigungen zum Niederzurren des Stammholzes verwendet. In Baden-Württemberg wird zudem Verkeilen vorgeschrieben. Wie andere Bundesländer das handhaben ist mir leider nicht bekannt.

      • Karl Auer sagt:

        Hallo Markus,

        vielleicht hab ich mich zu unpräzise ausgedrückt:

        Verbessern würde ich die Darstellung der gezeigten Anhänger. Die Abmessungen werden von dir immer ohne Zugdeichsel angegeben. Das kann zu Missverständnissen führen. Die 12 m sind meines Wissens immer incl. Zugeinrichtung ?

        Der von dir zitierte § 32 Absatz 6 StVZO hebt nur auf das Kraftfahrzeug ab:

        Bei der Messung der Länge oder Teillänge werden Verbindungseinrichtungen bei Kraftfahrzeugen nicht berücksichtigt.

        D. h., dass Anhängerkupplungen der Kfz, in der Regel hinten, bei der Längenmessung unberücksichtigt bleiben, wenn diese nach hinten überstehen sollten.

        Mir geht es aber um den Anhänger, nicht um das Kraftfahrzeug.

        Wie du beim Abarbeiten des Themas Autotransporter erkannt haben wirst, ist die StVO und StVZO in Sachen Transparenz Kernschrott.

        So ist lt. § 32 StVZO die Fahrzeughöhe, -breite und -länge nach der ISO-Norm 612-1978 zu ermitteln.

        Wenn jemand sein Kraftfahrzeug auf die Einhaltung der gesetzlichen Maße hin prüfen will, dem ist der öffentliche Zugang zu diesen Informationen verwehrt. Die ISO-Norm – du wirst es wissen – gibt es nur gegen 93,50 EUR beim Beuth-Verlag. An den kostenlosen Normen-Info-Points kann man nur die DIN-Normen einsehen, ISO-Normen nicht. Das hatte ich mir in einer Industrie-Nation eigentlich anders vorgestellt. Dieser Hintergrund ist nicht unerheblich und führt in der Folge eben dazu, dass aller Orten Unklarheiten entstehen.

        Ich selbst war der gleichen Meinung wie du, dass die Verbindungseinrichtungen bei Kraftfahrzeugen nicht berücksichtigt werden, bis ich auf die VO (EU) Nr. 1230/2012 gestoßen bin:

        https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32012R1230
        PDF-Seite 49 1.1.1. Länge a) Anhänger: 12,00 m einschließlich Zugeinrichtung

        Wenn man „The big picture“ kennt: Kernschrott, dann wundert man sich auch nicht mehr darüber, dass beim Anhänger der Ladungsüberstand nach vorne nicht geregelt ist. Wer sich an der Formulierung stört, darf bitte vorher in den so betitelten Regelwerken nach den aus Sicherheitsgründen nötigen Mindestachslasten suchen -Stichwort Lastverteilung -, ohne die ein Fahrzeug gar nicht betriebssicher gelenkt / gefahren werden kann.

        Warum hatten die alten Deutschen eigentlich anno Domini den nicht mehr mit Bußgeld belegten § 34 Absatz 8 in die StVZO eingefügt?
        Komisch, im Winter kommen die Lkw trotz Winterreifenpflicht den Berg nicht hoch. Vielleicht sollten die Lkw allgemein ausreichende Last auf der Antriebsachse haben?

        Deshalb finde ich eure Initiative toll, die Licht in das Dunkel bringen kann.

        Licht ins Dunkel könnte auch die Klärung der Frage b) bringen. Ich wandel mal das Beispiel anschaulicher ab.

        Es soll ein einteiliger Fahnenmast mit 19 m Länge transportiert werden. Beförderungsstrecke: 200 km.

        Kommt ein Sattelzug in Frage?

        Lt. http://rollerreiner.org/EU%20Sattel-%20und%20Gliederzug.htm , Abschnitt: ableitbare Maße, beim Sattelzug steht eine Ladeflächenlänge von etwa 13,60 m zur Verfügung. 19 m – 13,60 m = 5,4 m Überstand. Nach hinten 1,5 m zulässig, heißt es muss 3,9m nach vorne überstehen.

        Überhang nach vorne beim Anhänger grundsätzlich ja nicht geregelt, aber in dem Fall nur 0,5 m über das ziehende Fahrzeug nach vorn.

        Bei einer Szgm., die beim Abbiegen vom gezogenen Sattelanhänger nach links oder rechts abschwenkt vielleicht etwas tricky, wenn man sich das Fahrzeug Nr. 2 im Kreisverkehr mit solch einem Ladungsüberhang am Auflieger vorn vorstellt:

        https://encrypted-tbn0.gstatic.com/images?q=tbn%3AANd9GcRJNaa0Qf0pWbaBUvfO_tNZG3-ipgxRiu5qTg&usqp=CAU

        Bleibt nur ein teurer Sondertransport mit 70er Ausnahmegenehmigung? Die 46er wird mit 5,4 m Überstand nicht ausreichen (5m bis letzte Achse)

        Oder gibt es eine preiswerte Schlaumeierlösung?

        Abtransport mit einem Autotransporter?

        Beim Lkw wird die Ladeplattform ganz hoch gefahren. Darauf werden die 19 m langen Fahnenmasten platziert und verkehrssicher verzurrt.

        Als Einzelfahrzeug dürfte der maximal 12 m lange Lkw nicht fahren. 7 m Ladungsüberstand. (0,5 m nach vorne, 6,5 m nach hinten.

        Hier kommt nun der leere Anhänger ins Spiel, der nur hinter dem Lkw hergezogen wird und keinen Kontakt zur Ladung hat.

        Bei entsprechenden Einzelfahrzeugen: zul. Gesamtzuglänge 18,75 m + zul. Ladungsüberhang nach vorn: 0,5 m + zul. Ladungsüberhang nach hinten: 1,5 m = 20,75 m.

        Nach hinten darf die Ladung bis zu 1,50 m hinausragen, jedoch bei Beförderung über eine Wegstrecke bis zu einer Entfernung von 100 km bis zu 3 m; die außerhalb des Geltungsbereichs dieser Verordnung zurückgelegten Wegstrecken werden nicht berücksichtigt. Fahrzeug oder Zug samt Ladung darf nicht länger als 20,75 m sein.

        § 22 Absatz 4 StVO

        Der Lkw mit seinen geladenen Fahnenstangen ist nicht länger als 20,75 m.
        Nach vorgenanntem Beispiel hat der Lkw einen hinteren Ladungsüberhang von 6,5 m. Da möchte ich nicht auf der Nebenspur stehen, wenn dem Fahrer einfällt, im engen Radius 90 Grad nach rechts oder links abzubiegen. Er kann halt nur geradeaus fahren.

        Oder bezieht sich die Aussage:

        Nach hinten darf die Ladung bis zu 1,50 m hinausragen, jedoch bei Beförderung über eine Wegstrecke bis zu einer Entfernung von 100 km bis zu 3 m

        § 22 Absatz 4 StVO

        auch auf das jeweilige Einzel-Fahrzeug? Also bei Zugbildung sowohl auf den ziehenden Lkw, als auch auf den Anhänger?

        Im Grunde geht es ja wohl um ein gefährliches Ausschwenken von Ladung, wobei es für mich nicht unerheblich erscheint, ob ich damit rechnen muss, dass mich beim Abbiegen eines Lastzugs der ausscherende Überhang des Anhängers, als auch ein ungeregelt langer Ladungsüberhang am Lkw, mich auf der Nebenfahrbahn vom Moped kicken könnte.

        Wenn also auch beim Lastzug der ausscherende Ladungsüberhang am Lkw limitiert ist, würde ich die StVO und StVZO in Hinblick auf praktischen Nutzen und Transparenz nicht mehr pauschal als Kernschrott bezeichnen und wieder Hoffnung schöpfen.

  3. Löbel sagt:

    Hallo, können Sie mir sagen was die Gesammtbreite genau sagt?
    Ist das nur die Breite vom Anhänger oder die komplette Breite mit Seitenbegrenzungsleuchten?
    Denn mein Anhänger ist von hause aus 2,48m breit. Mit den Begrenzungsleuchten komm ich auf gut 2,65m

    Mfg 🙂

    • Markus sagt:

      Hallo Löbel,

      § 32 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) kennt die Antwort:

      Die Fahrzeugbreite ist nach der ISO-Norm 612-1978, Definition Nummer 6.2 zu ermitteln. Abweichend von dieser Norm sind bei der Messung der Fahrzeugbreite die folgenden Einrichtungen nicht zu berücksichtigen:

      1. Befestigungs- und Schutzeinrichtungen für Zollplomben,
      2. Einrichtungen zur Sicherung der Plane und Schutzvorrichtungen hierfür,
      3. vorstehende flexible Teile eines Spritzschutzsystems im Sinne der Richtlinie 91/226/EWG des Rates vom 27. März 1991 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Spritzschutzsysteme an bestimmten Klassen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern (ABl. L 103 vom 23.4.1991, S. 5), die zuletzt durch die Richtlinie 2010/19/EU (ABl. L 72 vom 20.3.2010, S. 17) geändert worden ist,
      4. lichttechnische Einrichtungen,
      5. Ladebrücken in Fahrtstellung, Hubladebühnen und vergleichbare Einrichtungen in Fahrtstellung, sofern sie nicht mehr als 10 mm seitlich über das Fahrzeug hinausragen und die nach vorne oder nach hinten liegenden Ecken der Ladebrücken mit einem Radius von mindestens 5 mm abgerundet sind; die Kanten sind mit einem Radius von mindestens 2,5 mm abzurunden,
      6. Spiegel und andere Systeme für indirekte Sicht,
      7. Reifenschadenanzeiger,
      8. Reifendruckanzeiger,
      9. ausziehbare oder ausklappbare Stufen in Fahrtstellung und
      10. die über dem Aufstandspunkt befindliche Ausbauchung der Reifenwände.

      Gemessen wird bei geschlossenen Türen und Fenstern und bei Geradeausstellung der Räder.

  4. Badbee sagt:

    Hallo guten Tag !! Ich hätte da mal eine “ vor Anfrage “ ! Ich würde gerne eine Ex Flughafen Feuerwehr ( Schnellangriff Vorfeld Löscher ) zum Wohnmobil umbauen , Leider ist das Teil 2,75 Meter breit ! Gibt es für so ein Fahrzeug in Privathand wohl eine Ausnahmegenehmigung ?? Oder wir so etwas Grundsätzlich abgelehnt ??

    • Markus sagt:

      Hi Badbee,

      das geht tief ins Zulassungsrecht rein. Ich kenne mich im Zulassungsrecht leider nicht gut genug aus, um dir hier eine Antwort zu geben.

      Ich würde dir aber folgende Vorgehensweise empfehlen: Zuerst gehst du zu einem Sachverständiger, zum Beispiel dem TÜV. Wichtig dabei: Du musst alle Angaben des Fahrzeuges dabei haben. Dabei geht es nicht nur um die Abmessungen, die Masse und Achslasten, sondern auch um die Anbauten und sonstige Besonderheiten des Fahrzeugs. Des Weiteren musst bereits zu diesem Zeitpunkt wissen, wie genau du das Fahrzeug umbauen möchtest.

      Beim Sachverständiger fragst du, ob du für das Fahrzeug bei den von dir geplanten Umbauarbeiten überhaupt eine Betriebserlaubnis bekommen kannst. Gleichzeitig fragst du, ob er hierfür ein Gutachten zur Erlangung einer Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO in Aussicht stellen kann.

      Wenn der TÜV dir beides in Aussicht stellt, gehst du zu der örtlichen höheren Verwaltungsbehörde, welche für die Ausstellung von Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO zuständig ist. Du fragst nach, wie deren Haltung dazu ist. Hier können zwei Dinge passieren:
      1) Die höhere Verwaltungsbehörde lehnt von vornherein ab.
      2) Die höhere Verwaltungsbehörde weist darauf hin, dass dies im Einzelfall geprüft werden muss.

      Da es hier um einen Spezialfall geht, macht es erst nach Erhalt einer Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO Sinn, den nächsten Schritt anzugehen: Der Gang zur Straßenverkehrsbehörde.

      Die Straßenverkehrsbehörde kommt ins Spiel, damit du das Fahrzeug in Deutschland von A nach B bewegen darfst. Gehen wir davon aus, dass dein Fahrzeug nur hinsichtlich der Breite von den fahrzeugtechnischen Vorgaben der StVZO abweicht – hier beträgt die Breite 2,75 m. Unter diesen Gegebenenheiten kann für maximal drei Jahre eine bundesweite Dauererlaubnis erteilt werden, da wir uns innerhalb der Anhörfreigrenzen befinden. Die Anhörfreigrenze beträgt in Bezug auf die Breite maximal 3,00 m.

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