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Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten: Ein Blick hinter die Kulissen

Vor und in Feuerwehrzufahrten gilt nach der Straßenverkehrs-Ordnung ein Haltverbot. In der Praxis kommt häufig die Frage auf, wie man eine Feuerwehrzufahrt erkennt und wie Feuerwehrzufahrten richtig gekennzeichnet werden.

Feuerwehrzufahrten werden mit Hinweisschildern mit der Aufschrift “Feuerwehrzufahrt” oder mit dem Zeichen “Absolutes Haltverbot” gekennzeichnet. Die amtliche Kennzeichnung der Hinweisschilder mit der Aufschrift “Feuerwehrzufahrt” erfolgt durch ein Siegel oder einen Zusatz.

Dieser Beitrag zeigt dir, was bei der Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten zu beachten ist. Dabei werden folgende Fragen beantwortet:

  • Wie sieht eine amtliche Kennzeichnung einer Feuerwehrzufahrt aus?
  • Gilt das Haltverbot vor und in einer Feuerwehrzufahrt auch mit einem Hinweisschild ohne Siegel oder Zusatz?
  • Können Feuerwehrzufahrten mit Pollern gekennzeichnet werden?
  • Wer ist für die Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten zuständig?
  • Und viele mehr …

Los geht’s!

Feuerwehrzufahrt: Amtliche Kennzeichnung

Feuerwehrzufahrten müssen amtlich gekennzeichnet werden (VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15; KG, Beschluss vom 27.02.1992 – 2 Ss 5/92 – 3 Ws (B) 25/92).

Das ergibt sich schon aus dem Wortlaut des Haltverbots kraft Verordnung: Das Halten ist vor und in amtlich gekennzeichneten Feuerwehrzufahrten verboten (§ 12 Absatz 1 StVO).

Private Hinweisschilder reichen für die Kennzeichnung einer Feuerwehrzufahrt nicht aus (VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15; KG, Beschluss vom 27.02.1992 – 2 Ss 5/92 – 3 Ws (B) 25/92).

Die Kennzeichnung der Feuerwehrzufahrt erfolgt nach der amtlichen Begründung “erforderlichenfalls durch entsprechendes Schild” (VkBl 1988 Seite 221).

Weder in die Straßenverkehrs-Ordnung, noch in den Verkehrszeichenkatalog wurde ein Verkehrszeichen zur Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten eingeführt.

Demnach gibt es keine bundeseinheitliche Vorgabe, wie Feuerwehrzufahrten beschildert werden müssen.

Es gibt insbesondere keine Vorgaben zur Lage und Anzahl der Schilder, die Feuerwehrzufahrten amtlich kennzeichnen (VG München, Urteil vom 05.08.2015 – M 7 K 15.500)

Dies bestätigt auch das OVG Münster:

Bei der Auswahl und Gestaltung von amtlichen Hinweisschilder sind Behörden

nicht auf die nach der Straßenverkehrsordnung [sic!] möglichen Verkehrszeichen beschränkt.

OVG Münster, Beschluss vom 30.01.2009 – 5 A 2239/08

Feuerwehrzufahrten müssen nicht beidseitig beschildert werden (VG München, Urteil vom 05.08.2015 – M 7 K 15.500).

Bei der Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten müssen die Vorschriften und Anordnungen der örtlichen Landes- oder Gemeindebehörden beachtet werden (VG Düsseldorf, Urteil vom 21.08.2012 – 14 K 2727/12; VG Würzburg, Urteil vom 31.03.2008 – W 5 K 07.1397; KG, Beschluss vom 27.02.1992 – 2 Ss 5/92 – 3 Ws (B) 25/92).

Baubehörden können nach Ansicht des KG die amtliche Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten im Baurechtsverfahren mit Auflagen sicherstellen (KG, Beschluss vom 27.02.1992 – 2 Ss 5/92 – 3 Ws (B) 25/92).

Verkehrsteilnehmer haben die Hinweisschilder zur Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten zu beachten (VG München, Urteil vom 03.05.2007 – M 7 K 06.1111).

Dabei geht es nicht nur um die Kennzeichnung der Feuerwehrzufahrt, sondern um die Freihaltung des ersten oder zweiten “Rettungsweges” für den Brandfall (VGH München, Beschluss vom 04.12.2018 – 10 CS 18.1783; VG München, Urteil vom 11.02.2015 – M 7 K 14.3817).

Als “Rettungsweg” gilt jede Fläche, die zur Rettung benötigt wird (VG München, Urteil vom 11.02.2015 – M 7 K 14.3817).

Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten mit Hinweisschild

Feuerwehrzufahrten können durch rot umrandete rechteckige Hinweisschilder mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt” gekennzeichnet sein. Diese Hinweisschilder für Feuerwehrzufahrten weisen eine Höhe von 210 mm und eine Länge von 594 mm auf (DIN 4066).

Nach Urteil des VG Würzburg spielt die Einhaltung bestimmter DIN-Vorschriften für die Kennzeichnung einer Feuerwehrzufahrt keine Rolle (VG Würzburg, Urteil vom 31.03.2008 – W 5 K 07.1397).

Ein Hinweisschild mit der Aufschrift “Feuerwehrzufahrt freihalten” ist nach Ansicht des OLG Köln ebenfalls geeignet eine Feuerwehrzufahrt zu kennzeichnen (OLG Köln, Beschluss vom 02.02.1993 – Ss 15/93 (Z)).

Feuerwehrzufahrten mit Siegel

Feuerwehrzufahrten werden zum Beispiel durch ein Dienstsiegel auf dem Hinweisschild amtlich gekennzeichnet (VGH München, Beschluss vom 04.12.2018 – 10 CS 18.1783; VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15).

Feuerwehrzufahrten mit Zusatz

Des Weiteren können Feuerwehrzufahrten durch

  • die Bezeichnung der anordnenden Behörde,
  • dem Vermerk “Haltverbot nach der StVO”
  • oder dem Vermerk “amtlich angeordnet”

amtlich gekennzeichnet werden (VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15).

Für Fahrzeugführer muss klar erkennbar sein, dass von der Beschilderung ein Haltverbot nach der StVO ausgeht und es sich um eine amtlich veranlasste Beschilderung handelt (VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15).

Feuerwehrzufahrten ohne Siegel oder Zusatz

Feuerwehrzufahrten mit Hinweisschildern mit der Aufschrift “Feuerwehrzufahrt” ohne weitere Kennzeichnung sind nicht amtlich gekennzeichnet (VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15).

Laut Urteil des VG Hamburg ist keine amtliche Kennzeichnung vorhanden, wenn an einem Hinweisschild mit der Aufschrift “Feuerwehrzufahrt” weder ein Siegel angebracht, noch die anordnende Behörde genannt ist (VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15).

Von einem Hinweisschild mit der Aufschrift “Feuerwehrzufahrt” ohne amtliche Kennzeichnung geht kein Haltverbot vor und in Feuerwehrzufahrten aus.

Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten mit absolutem Haltverbot

Der Bereich vor einer Feuerwehrzufahrt kann auch mit absoluten Haltverboten gekennzeichnet werden.

Mancherorts werden Feuerwehrzufahrten auch mit absoluten Haltverboten und dem Zusatzzeichen “Feuerwehrzufahrt” gekennzeichnet.

Das Zusatzzeichen “Feuerwehrzufahrt” ist nicht in der StVO oder dem VzKat enthalten.

Als Fantasiebeschilderung hat das Zusatzzeichen “Feuerwehrzufahrt” folglich keinen regelnden oder beschränkenden Charakter.

Das Zusatzzeichen “Feuerwehrzufahrt” unter einem absoluten Haltverbot erläutert allenfalls, warum das absolute Haltverbot aufgestellt wurde.

In absoluten Haltverboten (Zeichen 283) ist das Halten auf der Fahrbahn verboten (Anlage 2 laufende Nummer 62 StVO).

Insofern findet man absolute Haltverbote zur Freihaltung des ersten oder zweiten “Rettungsweges” hauptsächlich vor Feuerwehrzufahrten.

Feuerwehrzufahrten mit absoluten Haltverboten und einem Hinweisschild mit einer amtlichen Kennzeichnung “Feuerwehrzufahrt” widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich (VG Würzburg, Urteil vom 31.03.2008 – W 5 K 07.1397).

Das absolute Haltverbot verbietet dann das Halten für den Bereich vor der Feuerwehrzufahrt.

Das Hinweisschild mit der amtlichen Kennzeichnung “Feuerwehrzufahrt” verbietet das Halten vor und in der Feuerwehrzufahrt.

Feuerwehrzufahrt: Poller

Feuerwehrzufahrten können auch durch Sperrpfosten gesichert werden, wenn die Zufahrt nicht öffentlicher Verkehrsraum ist und demnach von keinen anderen Fahrzeugen außer Einsatzfahrzeugen befahren wird.

Die Aufstellung von Sperrpfosten für die Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten ist nicht vorgeschrieben (VG München, Urteil vom 05.08.2015 – M 7 K 15.500).

Sperrpfosten erhöhen allerdings die Aufmerksamkeit auf eine Feuerwehrzufahrt (VG Hamburg, Urteil vom 20.10.2016 – 16 K 5900/15; VG München, Urteil vom 05.08.2015 – M 7 K 15.500).

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Sperrpfosten auch Absperrpfosten, Markierungspfosten oder Poller genannt.

Sperrpfosten müssen rot-weiß gestreift sein (§ 43 Absatz 1 StVO).

Wichtig dabei: Die Sperrpfosten sollten mithilfe eines Dreikantschlüssels oder eines Profilzylinders umlegbar oder herausnehmbar sein, sodass die Feuerwehr schnell zu ihrem Einsatzort gelangen kann.

Mit Pollern lässt sich aber nur das Haltverbot in einer Feuerwehrzufahrt unterbinden.

Absperrpfosten sind folglich nicht dazu geeignet das Haltverbot vor Feuerwehrzufahrten durchzusetzen.

Feuerwehrzufahrt: Rechtsgrundlage für die Kennzeichnung

Um Feuerwehrzufahrten zu kennzeichnen, benötigt die Behörde eine Rechtsgrundlage. Jedes Bundesland hat dazu seine eigene Rechtsgrundlage.

Die landesrechtlichen Vorgaben der 16 Bundesländer zur Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten im Überblick:

Feuerwehrzufahrt: Zuständigkeit für die Kennzeichnung

Hinweisschilder mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt”

Hinweisschilder mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt” finden sich nicht in der StVO oder dem VzKat.

Wer darf Feuerwehrzufahrten mit Hinweisschilder mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt” kennzeichnen?

Hinweisschilder zur Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten müssen von einer Behörde angebracht werden (VG München, Urteil vom 05.08.2015 – M 7 K 15.500; VG Würzburg, Urteil vom 31.03.2008 – W 5 K 07.1397; VG München, Urteil vom 03.05.2007 – M 7 K 06.1111; OLG Köln, Beschluss vom 02.02.1993 – Ss 15/93 (Z)).

Private Grundstückseigentümer dürfen – auch wenn sie im Baurechtsverfahren dazu verpflichtet wurden – keine Hinweisschilder zur Kennzeichnung von Feuerwehrzufahrten aufstellen (OLG Köln, Beschluss vom 02.02.1993 – Ss 15/93 (Z)).

Dürfen Straßenverkehrsbehörden Hinweisschilder mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt” anordnen?

Straßenverkehrsbehörden können die Benutzung bestimmter Straßen zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit beschränken (§ 45 Absatz 1 StVO).

Straßenverkehrsbehörden dürfen den Verkehr nur durch Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen regeln und lenken (§ 45 Absatz 4 StVO).

Verkehrszeichen sind abschließend in der StVO und dem VzKat aufgeführt.

Straßenverkehrsbehörden dürfen nach dieser Argumentation also nur Verkehrszeichen aufstellen, die in der StVO oder dem VzKat enthalten sind.

Einerseits kann man demnach die Rechtsauffassung vertreten, dass Straßenverkehrsbehörden Hinweisschilder mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt” nicht anordnen dürfen, da Hinweisschilder mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt” keine Verkehrszeichen darstellen.

In einem solchen Fall kann beispielsweise die örtliche Brandschutzbehörde für die Aufstellung von Hinweisschildern mit dem Schriftzug “Feuerwehrzufahrt” zuständig sein (VG München, Urteil vom 05.08.2015 – M 7 K 15.500; VG München, Urteil vom 11.02.2015 – M 7 K 14.3817).

Andererseits können Straßenverkehrsbehörden bestimmte Straßen zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit auch auf andere Weise beschränken, sofern die Aufstellung von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen nach den gegebenen Umständen nicht möglich ist (§ 45 Absatz 4 StVO).

Man kann zum Ergebnis kommen, dass es Straßenverkehrsbehörden nach den gegebenen Umständen nicht möglich ist, Feuerwehrzufahrten mit Verkehrszeichen zu kennzeichnen. Dann dürften Feuerwehrzufahrten zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit auch auf andere Weise durch Straßenverkehrsbehörden gekennzeichnet werden (OVG Münster, Beschluss vom 30.01.2009 – 5 A 2239/08).

Absolute Haltverbote

Zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit können Straßenverkehrsbehörden die Benutzung bestimmter Straßen beschränken (§ 45 Absatz 1 StVO).

Straßenverkehrsbehörden sind nur zur Aufstellung von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen befugt (§ 45 Absatz 4 StVO).

Absolute Haltverbote (Zeichen 283) sind in der StVO enthalten (Anlage 2 laufende Nummer 62 StVO).

Demnach dürfen Straßenverkehrsbehörden zur Regelung und Lenkung des Verkehrs absolute Haltverbote vor Feuerwehrzufahrten aufstellen.

Fazit

Die amtliche Kennzeichnung einer Feuerwehrzufahrt kann durch weiße, rot umrandete Hinweisschilder mit der Aufschrift “Feuerwehrzufahrt” oder durch absolute Haltverbote erfolgen. Auch eine Kombination von Hinweisschildern und absoluten Haltverboten ist möglich.

Ohne amtliche Kennzeichnung geht von Hinweisschildern kein Haltverbot vor und in einer Feuerwehrzufahrt aus.

Mit Pollern kann der Bereich innerhalb von Feuerwehrzufahrten für den allgemeinen Verkehr gesperrt werden.

Welche Regeln vor und in Feuerwehrzufahrten gelten, habe ich im Artikel Feuerwehrzufahrten: Diese 7 Regeln musst du beachten zusammengefasst.

Lies dort auch gerne einmal rein.

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Markus Herbst
Markus Herbst
Markus schreibt für Fachzeitschriften und hält Vorträge an Verwaltungsschulen zu Fragen im Bereich Straßenverkehrsrecht. Über die Jahre hat Markus bereits mit der Verwaltungsschule des Gemeindetages Baden-Württemberg, Hessischen Verwaltungs­­schulen und der Kommunal-Akademie Rheinland-Pfalz zusammengearbeitet.

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